Krieg ist Frieden

Was Großmutter auch schon nicht wusste…

gulli.com fasst eine an der Harvard University durchgeführte Untersuchung über Verschwörungstheorien zusammen. In wenigen Worten geht es darum, dass (potentiell gefährliche) Verschwörungstheorien, oder neutraler ausgredrückt: alternative Deutungen der Faktenlage, daher rühren, dass der Informationskanon auf dem sie basieren relativ begrenzt sei. Da man ja mittels sachlicher Argumentation nicht überzeugen könne, sei es legitim, diesen Informationskanon „kognitiv zu infiltrieren“. Agenten der Regierung könnten also online wie offline in diese sozialen Netzwerke eintreten und am „debunking“ der unerwünschten Interpretation arbeiten.

Abgesehen davon, dass ein solches Prozedere schon mindestens seit den 1950er Jahren im Zusammenhang mit der Operation Mockingbird belegbar ist, ist es nur stringent, dass sich die Methoden der Agitation und Propaganda dem Kommunikationsverhalten der jeweiligen Zeit anpasst. Gerade der Wikipedia-Artikel über Psychologische Kriegsführung der USA hält einige Details bereit, die wirklich zum Lachen wären, wenn sie nicht auf einer vollkommen irrationalen Ebene effektiv gewesen wären. So kreuzten bspw. als Sowjet-U-Boote verkleidete NATO-U-Boote der Amerikaner und Briten durch schwedische Gewässer. Das Resultat: das im Kalten Krieg neutrale Land Schweden kippte, angesichts der scheinbaren Bedrohung, in Richtung des NATO-Blocks.

Dies ist, wie viele andere Operationen, ein durchaus gelungenes Beispiel für eine Operation unter (wortwörtlich) falscher Flagge. Angesichts einer solchen Ungeheuerlichkeit, nämlich der Aufführung eines gigantischen Kasperletheaters zur Manipulation der Meinung eines ganzen Landes, fragt man sich schon, wer für den ganzen Kappes finanziell aufkommt (wir selbst), und wie hoch die Etats einzelner Einheiten für solche psychologischen Operationen (PsyOps) eigentlich sind. Die Frage, was das noch mit einem nachvollziehbaren Prozess demokratischer Meinungsbildung zu tun hat, stellt sich eigentlich schon nicht mehr: diese Programme laufen schon seit einem halben Jahrhundert, und dies sehr effektiv. Menschen tun sich aber mit dem Konsens, dass längst Praxis was eigentlich undenkbar ist, verständlicherweise schwer. Weil sich dann echte Abgründe auftun.

Interessant wird es also dann, wenn man rät, gegen alternative Interpretationen der Faktenlage operativ vorzugehen. Und dann noch so tut, als geschähe dies nicht schon längst. Und dabei generell diskutable Hypothesen sowie gegen sachliche Argumentation komplett immunisierte Verschwörungstheorien in einen Topf wirft.

„Dient eine Verschwörungstheorie einem offenkundig politischen Zweck und wird aus ihr ein Machtanspruch oder gar die Forderung nach gewaltsamem Handeln abgeleitet, dann liegt der Verdacht nahe, dass es sich um eine Verschwörungsideologie handelt.“
Einfach mal auf der Wikipedia googeln. Beschreibt sehr gut, dass man als reales Ereignis eine Operation unter falscher Flagge nutzen kann, um aggressiv oder militärisch gegen eine wie auch immer verschworene, reale oder imaginäre Gruppierung vorzugehen. Einfacher ausgedrückt hat das auch schon der durchgeknallte Gröfaz: „Die Auslösung des Konfliktes wird durch eine geeignete Propaganda erfolgen. Die Glaubwürdigkeit ist dabei gleichgültig, im Sieg liegt das Recht“ (22.8.1939). Der Trick funktioniert leider heute immernoch, die Inszenierung ist bloß teurer geworden.

Da PsyOps und Operation unter falscher Flagge Realität sind, braucht man unbedingt Menschen, die genau diesen Umstand bei ihren Interpretationen berücksichtigen, die kritisch, vielleicht hyperkritisch sind. Ob sie brauchbare Hypothesen oder Paranoia produzieren, sei zunächst noch dahingestellt. Das Fazit der Harvard-Studie zum Umgang mit ihnen erinnert allerdings fatal an eine Garfield-Weisheit: „Wenn du sie nicht überzeugen kannst, verwirr sie!“

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