Propaganda

So etwas darf es in Deutschland nie wieder geben

Kritik ist wichtig um Verbesserungen durchzusetzen. Wenn sich aber Hetze und Beleidigungen als Kritik ausgeben, kommt man in einen Bereich der nicht mehr tolerierbar ist.

Während ich so herumsurfte, bin ich auf einen Blogeintrag gestoßen, von dem ich dachte, daß so etwas in unserer Zeit nicht mehr möglich sei. Der Eintrag gibt vor ein Video des Rappers Azad zu analysieren. Wenn man nun selber den Eintrag analysiert, offenbaren sich erstaunliche Dinge.

Zunächst beginnt der Eintrag mit der Darstellung von Kellerasseln die dem Leser ein Gefühl des Abscheus geben sollen. Daraufhin bezeichnet der Autor die angeblichen Muslime in dem Video als Asseln. Interessanterweise ist der Vergleich von Anhängern einer Religionsgruppe mit ekligen Tieren nichts neues, sondern aus der Zeit des Nationalsozialismus bekannt, man denke an den Film „Der ewige Jude“ wo Juden mit Ratten verglichen werden. Ein direkter Vergleich ist enthüllend. Wikipedia bietet folgendes Zitat des NS-Propagandafilmes: „Sie sind hinterlistig, feige und grausam und treten meist in großen Scharen auf.“ Der zeitgenössische Blogger schreibt: „Die sehen ziemlich häßlich und ziemlich dumm aus, wie sie da so durcheinanderwimmeln, doch hast-du-nicht-gesehen sind sie alle verschwunden.“

Seltsamerweise befinden sich im Banner des Blogs Davidsterne. Bei einer derartigen naziähnlichen Propaganda kann es sich nur um einen kranken Humor des Bloggers halten das Andenken an die Opfer des Holocausts mit so einer Hetze zu beschmutzen.

Weitere Mittel die Gruppe in dem Video als widerwärtig darstellen zu lassen ist der Stempel der Homosexualität. Überhaupt zu so einer Behauptung zu kommen, sagt einiges über den Autor aus. Zum einen ist es nämlich gerade in muslimischen Kulturen normal wenn sich Männer umarmen, was für den Ethnozentrismus des Autors spricht. Zum anderen ist es selbst für deutsche Verhältnisse extrem jemanden als schwul dazustellen, wenn er einen anderen Mann anfaßt. Das spricht für eine kranke extreme Haltung des Autors, die sich nicht hinter den Taliban oder den Saudis verstecken braucht. Wenn jemand seinen Sohn küßt, ist er dann gleich pädophil?
Es stimmt, daß es in den Lied um Gewalt geht. Um so unverständlicher ist es, daß der Autor Frauen in dem Video vermißt. Haben wir es mit einem seltsamen Fetischisten zu tun der bei Gewalt immer an Frauen denkt?
Einen Blick auf die andere Seite des Teichs zeigt etwas seltsames. Das Video des Liedes „Ruff Ryders‘ Anthem“ von DMX zeigt Scharen von Männern. Was denkt jetzt Time (der Autor des Blogs)? Sind die Schwarzen auch alle schwul? Oder sind alle gar zum Islam konvertiert?

Apropos schwarze Menschen. Der Rapper Solo wird in dem Blog aufgrund seiner Hautfarbe als Nigger bezeichnet.

Desweiteren werden Muslime im Blog als Orks bezeichnet. Zusätzlich zum Ungeziefervergleich ist es ein weiteres Stilmittel um ihnen ihre Menschlichkeit abzusprechen. Was hat das für eine Bedeutung für Konsumenten des genannten Blogs oder ähnlicher Hetzmedien? Die Absprache jeglicher Menschlichkeit von Bevölkerungsgruppen ist eine Art Erklärung der Vogelfreiheit der Gruppe, schließlich sind sie keine Menschen, können nicht leiden und so etwas wie Kants kategorischer Imperativ findet bei ihnen somit keine Anwendung. In ihre Länder einfallen und ihre Religionsfreiheit einzuschränken sind somit kein Problem mehr. Ja, man hat so viel aus der NS-Zeit gelernt.

Sehr interessant ist auch die Kritik an Azad, daß seine Tättowierung nicht islamkonform ist. Ein vermutlich ungewollter Effekt dieser Kritik ist, daß Azad also nicht repräsentativ für Muslime ist. Andererseits ist es seltsam einen Rapper vom theologischen Standpunkt her zu kritisieren. Niemand -außer irgendwelchen Verstrahlten- käme auf die Idee US-Rappern wie 50 Cent zu erzählen, sie würden „ein Fleisch“ mit sogenannten Bitches werden (1. Korinther 6:16).

Soweit zu den Stilmitteln des Eintrags. Neben obengenannten Fehlleistungen kommen weitere inhaltliche Peinlichkeiten. Das Lied heißt nicht „Halt die Fresse“. „Halt die Fresse“ heißt eine sogenannte Serie, welches eine Art Plattform für Rapper ist, Lieder aus ihren Alben beim Youtubechannel aggroTV vorzustellen. Den Fehler mit dem Liednamen hätte man vermeiden können, wenn man die Augen öffnet und liest was in der Videobeschreibung steht. Das Lied heißt „Action Muzik„.

Es ist auch nicht klar, ob Azad überhaupt Moslem ist. Der Wikipediaeintrag gibt keine Informationen diesbezüglich her und auch googlen bringt nicht viel. Es ergibt sich nur der Verdacht er sei Moslem. Mit absoluter Sicherheit läßt sich das nicht sagen. Tatsächlich denken viele er sei Christ, da er durchaus christliches Vokabular und Metaphern benutzt, wie das Lied „Ich bete zu Dir“ klar macht. Schon deswegen ist hier der Versuch die Gruppe in dem Video als extremistisch, im genauen Wortlaut „mohammedanISTISCH“, darzustellen lächerlich. Wenn Azad fundamentalistischer Moslem wäre, gäbe es wohl keinen Zweifel an seiner Religionszugehörigkeit und auch Verstöße gegen die islamischen Gebote wie die Tättowierungen sprechen gegen Azads Fundamentalismus.

Desweiteren stammt der Rapper Jeyz in dem Video aus Sizilien und ist vermutlich kein Moslem. Die Rapper Hanybal und Solo sind wahrscheinlich Araber – genaue Informationen habe ich zugegebenermaßen nicht (und will auch anders als der analysierte Blog keine falschen Behauptungen machen), aber bei Hanybal legt die Schreibweise seines Namens den Schluß nahe. Daß in dem Video also ein iranischer Kurde (Azad), ein Sizilianer und zwei Araber (?) sind, spricht für Toleranz und multikulturelles Miteinander der Rapper und vermittelt quasi ein entgegengesetztes Bild zu Hetzen wie in dem Beispielblog.

Ob der von mir analysierte Blogeintrag den Tatbestand der Volksverhetzung (§130 StGB) erfüllt, wäre sicherlich lohnenswert mal in einer Diskussion mit Juristen zu klären.

Das letzte Wort gehört Azad. Das Video paßt einigermaßen auch thematisch zum Blog 🙂

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Übrigens

Kurze Durchsage: Krieg geht weiter

429 dafür, 111 dagegen, 46 enthalten.
Oppositionsdarsteller Steinmeier betonte, eine Abzugsperspektive sei für ihn entscheidend. Deswegen stimmte die SPD-Fraktion auch geschlossen für die Truppenaufstockung. Logisch!

Die Linksfraktion wäre beinahe nicht zur Abstimmung zugelassen worden, weil sie im Plenum Gedenk-Transparente mit den Namen und Daten der Opfer des Kunduz-Massakers hochhielten. Klar, als Demokrat sieht man schliesslich nicht gerne, dass man Massaker legitimiert. Leider ist es aber so.

In den Niederlanden ist übrigens die Regierung wegen der Afghanistan-Frage auseinandergebrochen. Die Konservativen unter Harry Potter wollten das Mandat entgegen eines Abzugsbeschlusses aus 2007 verlängern, die Sozialdemokraten (auch an der Regierung) wollten das nicht. Jetzt darf der Wähler im Juni 2010 entscheiden, wie die neue Regierung gewichtet sein soll… Das würde ich mir hier auch wünschen, das verschiedene Parteien auch mal unterschiedliche Auffassungen von einem Thema haben.

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Übrigens

Wollen wir das eigentlich auch hier?

Griechenland steht de facto unter EU-Zwangsverwaltung, nachdem es mit beratender Unterstützung durch GoldmanSachs jahrelang Bilanzen frisiert hat (klar haben die Berater da auch noch dick abgegriffen). Von Todesscheitel Roland Koch über Guido W. Westerwelle und Hans-Werner Unsinn vom Ifo Institut wird das letzte Gefecht gegen den deutschen Sozialstaat in Form von Reichsarbeitsdienst 2.0 vorbereitet; aktuell geht es denen darum, denn Begriff Sozialleistung so umzudefinieren, dass eine Gegenleistung gefordert werden kann (und muss)… in Griechenland finden derweil, unbemerkt von deutschen Qualitätsmedien, ganz andere Gefechte statt: gestern detonierte bei JP Morgan in Athen eine Bombe. Eine weitere in einer Serie, deren Ziel bisher schon Polizeistationen und andere staatliche Einrichtungen waren.

Wollen wir da eigentlich auch hin? Was denkt sich unsere Funktionselite dabei, den relativen sozialen Frieden in diesem Land aufzukündigen? Es kann doch niemand davon ausgehen, dass sich Menschen um sozialen Frieden bemühen, wenn ihm „von oben“ der Krieg erklärt wurde. Und dann ist es nur eine Frage der Zeit, bis jemand Feuer an die Brandstifter selbst legt — das ist ein Zustand, den ich in diesem Land nicht haben möchte. Was kann man tun?

Ach so, ja, und als letztes Schmankerl: Bundeshorst Köhler hat heute das Zensursula-Gesetz unterschrieben, es gebe da keine verfassungsrechtlichen Bedenken. Ich hoffe nur, dass das auch in Karlsruhe nachgeprüft wird. Wie man anhand von Inhalten, gegen deren Löschung niemand etwas haben kann oder die sogar strafbar sind, eine Zensurinfrastruktur einführt, lässt sich am Beispiel des Iran schön nachvollziehen: dort ging es auch zuerst nur Pornographie. Das war die Hintertür, für die ein gesellschaftlicher Konsens zu finden war. Sehr schön fasst das Mario Sixtus in diesem Video zusammen:

Wo der Iran jetzt schon ist, dahin könnten wir auch kommen. Wollen wir das eigentlich?

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Übrigens

De dicto…

„Die Soldaten brauchen Zeit, um die Einheimischen davon zu überzeugen, die Regierung in Kabul zu akzeptieren“ — J. Stirrup, britischer Generalstabschef (über die Folgen der aktuellen Offensive gegen die Taliban).

Aha, so also funktioniert das mit der Demokratie, unserem Exportschlager!

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Sozialpolitik

Poverty is the New Decadence

Aaaach, was soll’s eigentlich noch… unser Außenminister macht munter Arbeits- und Sozialpolitik, unser Verteidigungsminister macht Außenpolitik, die richtlinienkompetente Kanzlerin macht gar nichts – und, so meine Prognose, auf Tauchstation wird sie auch bis nach der NRW-Wahl bleiben. Ich jedenfalls mache diesmal auch etwas anderes, und veröffentlich etwas, was nicht von mir ist. Einen Hörerbrief meines Mitbewohners an den DLF nämlich, also einen offenen Brief, sozusagen.

Nach der medialen Breitseite von Westerwelle gegen den Sozialstaat war sich auch der eigentlich qualitätsorientierte Sender DLF nicht zu schade, ein geskriptetes und nachgerade unkritisches Interview zu senden. Und dies ist die Reaktion:

Sehr geehrte Redaktion des DLF,

gestern, am So, den 14.02.2010 habe ich in Ihrem Programm das Interview der Woche mit Guido Westerwelle gehört. Natürlich war ich in Anbetracht der neuesten Äußerungen Westerwelles zu Hartz 4 und der zahlreichen verbalen Fehlgriffe in seiner Funktion als Außenminister sehr gespannt auf diese Sendung. Mit großer Verwunderung musste ich allerdings feststellen, dass in der Sendung kaum kritische Fragen zu diesen Themen gestellt wurden, sondern vielmehr ein reichlich dröges Gesprächsprotokoll abgearbeitet wurde, das nach meinem Gefühl so offenkundig beiderseits vorbereitet worden war, dass W. sich geradezu staatstragend präsentieren konnte (was ihm ja eigentlich selten glückt) und sogar fadenscheinige Rechtfertigungen zu seinen Entgleisungen absondern durfte, ohne dass kritisch seitens des DLF hinterfragt oder nachgehakt wurde. Ein offenes Gespräch mit W. war das doch wohl nicht, oder? Es ist schade, dass der DLF dieses Ereignis im Sinne eines qualitativ hochwertigen Journalismus nicht genutzt hat, sondern sich in Sonntagsredenstimmung zeigte und diesem offensichtlichen Demagogen und sozialen Unruhestifter einfach das Feld überlässt für seine Propaganda und Eigenwerbung. Ich bitte Sie darum nicht auch noch in den Kanon der Massenmedien einzustimmen, die sich mit bloßer Hofberichterstattung aus Berlin zufrieden geben, sondern weiterhin Ihre Aufgabe als Journalisten im Sinne von Demokratie und Pressefreiheit wahrnehmen: Nachfragen, Redekultur fördern, Öffentlichkeit unabhängig informieren – wie Sie es sonst in vielen Ihrer Sendungen tun und wofür ich Sie sehr schätze.

Mit vielen Grüßen,
ihr treuer Hörer XXX

Nicht nur formal ist Westerwelle, seine Präsentation, seine dummes parteientaktisches Polemisieren u.v.a. die journalistische „Aufarbeitung“ all dessen zu kritisieren. Auch inhaltlich geht Westerwelle nicht auf konkrete Ansätze ein sondern betätigt sich vielmehr als Phrasenautomat. Beispiel: „Wer jung ist, wer gesund ist, wer keine eigenen Angehörigen zu versorgen hat – und wenn dem dann zumutbare Arbeit angeboten wird, dann muss er sie auch annehmen und muss auch für das, was er bekommt, eine Gegenleistung erbringen.“ Hmmm… meiner Meinung nach muss er vor allem für die erbrachte Leistung einen zumutbaren Gegenwert bekommen. Wer dann noch vom Lohnabstandsgebot faselt, sollte zuallererst Position im Hinblick auf einen branchenunabhängigen Mindestlohn beziehen. Dies aber macht Westerwelle explizit nicht, als er im Interview darauf angesprochen wird. Sondern haut dreist irgendeinen Satz mit „Wachstum“ raus. Habe klar.

Und selbst als er einen Neustart des Sozialstaates fordert, ist der arme Mann doch hilflos in seinem marktradikalen Dogmatismus gefangen und vollkommen unfähig, der volkswirtschaftlichen Situation und dem verfassungsgerichtlichen Urteil gemäß Ideen zu entwickeln. Da glüht noch die Wange rot von der höchstrichterlichen Watsche, und aus Trotz wird Hand gleich wieder in die Keksdose gesteckt — aber diesmal vorher noch in der Nase gepopelt. Und zwar live auf allen Kanälen.

Dabei sollten die Konsequenzen doch klar sein: ein transparentes und realistisches Verfahren zur Berechnung der Sozialleistungen, die der Staat dem Grundgesetz gemäß zu erbringen hat. Und ein Mindestlohn. Erstens um zu gewährleisten, dass sich „Leistung wieder lohnt“ (Westerwelle), zweitens, damit sich Unternehmen Arbeit nicht aus dem Staatssäckel finanzieren lassen können und drittens: Arbeiter mit 10 € Stundenlohn zahlen deutlich mehr Steuern in die Staatskasse als solche mit 5 € Stundenlohn. Das noch mal zu der Frage, wer das alles bezahlen soll.

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Krieg ist Frieden, Nassbirniges

WTF??? 2.0

Nun legt also auch schon der Bundesvorstand der Piratenpartei Stefan Aaron „Aalron Koenig“ König, oder wie er denn nu tatsächlich heisst, einen Angriffskrieg gegen den Iran nahe. Es ist für mich einfach nicht zu fassen! Die Argumentation: dem Propaganda-Outlet Spiegel liegen neue Erkenntnisse vor, dass der Ahmadinedjad die Atombombe hat / bald hat. Wie belastbar diese Erkenntnisse sind, nimmt eine Piratin hier schon schön auseinander; das Ergebnis sollte niemanden überraschen.

Volksverhetzung nach § 130 Abs. 2 StGB ist, wer zu Gewalt- und / oder Willkürmassnahmen […] auffordert. Und (gezielt oder nicht) Bombardierung von iranischem Staatsgebiet ist nun mal eine Kriegshandlung. Das iranische Regime kann einem passen oder nicht, wenn „der Westen“ allerdings gezielt die iranische Gesellschaft destabilisert (s. den Pentagon-Etat für PsyOps im Iran) und die Kriegstrommeln gegen den Iran immer lauter werden und dann ein Aalron folgendes aus seiner destabiliserten Birne leiert: „Durch gezielte Schläge gegen die iranischen Atomanlagen muss der Westen jetzt den Machthabern in Teheran zeigen, dass wir uns von ihnen nicht länger auf der Nase herumtanzen lassen.“ dann muss ich den Piraten leider den Rücken kehren, wenn sie selbiges nicht mit ihrem Vorstandsmitglied tun.

Wer hier wem auf der Nase rumtanzt, sei dahingestellt. Dass beide Seiten mit dem Säbel rasseln, ist auch ersichtlich. Dass einerseits lamentiert wird, Embargos gegen den Iran seien nicht genug, aber auf der anderen Seite Deutschland gerade mit dem Iran super Geschäfte macht, ist inzwischen die altbekannte Doppelzüngigkeit des „Westens“. Aber diese komplett unaufgeklärte Überheblichkeit, dass an den Waffen des Westens mal wieder die Welt genesen müsse, ist für mich nur noch unerträglich. Landesverteidigung ist eine Sache, aber Krieg ist ein Verbrechen, das schlimmste, was es gibt! Und jetzt halt die Klappe, Koenig, und entschuldige dich bei den Piraten!

Update: Gegen diese ganze Kriegspropaganda gibt es allerdings auch Hoffnung; einfach mal die fragen, die’s mitmachen mussten. Mike Prysner, ein Veteran des Irak-Kriegs (von Iraq Veterans Against the War) hält eine wie ich finde sehr bewegende Ansprache, u.a. über Manipulation von Menschen, um überhaupt Krieg zu führen und die wahren Profiteure von Kriegen:

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Technisches

Don’t believe …

… the hype hoooa-a-a-a oder so ähnlich lautete 1988 der Sprechgesang der amerikanischen Rap-Kombo Public Enemy (zur Vollständigkeit hier das Lied). Natürlich weist heute jeder Vorwürfe von sich, er wäre irgendwie ein Mitläufer oder ließe sich von den Medien beinflussen und stellt sich arrogant über Menschen die in der Vergangenheit mit ihrem Mitläufertum und ihrer Beeinflußbarkeit fragwürdige Dinge gemacht haben. Sicherlich denkt da jeder Deutsche an das Dritte Reich, es gibt aber andere Fälle wie die Hexenverbrennung oder die rassistische Außenpolitik Amerikas um den Jahrhundertwechsel vom 19. zum 20. Jahrhundert.

Mein Beitrag soll aber keine Geschichtsstunde sein, sondern eher technischer und zeitgenössischer Natur sein. Es geht um das iPad. Leander Kahney beschreibt in seinem Buch „Inside Steve’s brain“ korrekt, daß es Apple gelingt bei der Einführung eines neuen Produktes einen Hype zu machen, wie ihn keine andere Firma herzustellen vermag und daß dieser Hype viel kosteneffizienter sei als herkömmliche Werbung. Die Lektüre des oben erwähnten Buches hat mich etwas gegen den Hype immunisiert, da ich bewußter mit dem Medienzirkus umgehen konnte. Der Videobeitrag zum Thema ist ganz ordentlich (auch wenn er Spiegel Online als seriöses Magazin bezeichnet) und stellt dar wie die Öffentlichkeit manipuliert wurde (insbesondere durch Pseudo-Leaks – „Pseudo-Leaks“, da für mich ein echtes Leak nicht gezielt plaziert wird).

Was das Produkt selber angeht, so rate ich erstmal niemanden dazu es sich zu kaufen, es sei denn Geld spielt keine Rolex. Für etwa dasselbe Geld kann man sich ein Netbook kaufen, dort dann ein Betriebssystem und Programme seiner Wahl installieren und zusätzlich einen Ebookreader kaufen. Gründe gegen das iPad und für meinen Vorschlag sind, daß das Netbook multitaskingfähig ist, eine Tastatur hat und eine Webcam installiert ist. Für den Ebookreader spricht, daß elektronisches Papier angenehmer für die Augen ist und vor allem energieeffizienter ist. Wer nicht auf Apple Produkte verzichten will, ist besser beraten sich ein MacBook oder ein iPhone zu kaufen.

Während es auf der einen Seite einen Riesenhype um das iPad gab, werden Dinge, die wahrscheinlich eine größere Bedeutung haben, kaum erwähnt. Ich denke dabei an das Symbian OS, dessen SourceCode seit dem 4. Februar OpenSource ist. Nachdem auch der Androidhype nicht hielt was er versprach, könnte hier etwas nachhaltiges geschaffen worden sein. Es gibt bereits viele Handys die das Symbian OS nutzen, sodaß auf eine bereits bestehende Usercommunity gesetzt werden kann. In der Tat läuft auf der Mehrheit der Smartphones Symbian OS. User müssen auch nicht die Datenkrake Google im Hinterkopf haben, wenn sie das System nutzen wollen. Eine eher philosophische Frage ist, ob als Alternative zu Symbian ein Unixderivat wie Android auf ein Handy soll. Meiner Meinung braucht man ein Multiusersystem noch nicht mal auf seinem Privat-PC.

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