Wirtschaft

Virtuelle Werte und echte Fragen

Es war einmal… das Hotel „Zum Leistungsträger“. Da hinein kommt ein Geschäftsmann und lässt sich eine Suite empfehlen. Dazu legt er schon mal den Preis für die erste Nacht, 200 Euro, auf den Thresen. Danach geht geht er sich die Suite zeigen lassen. Der Manager nimmt das Geld und bezahlt direkt eine noch ausstehende Rechnung an den Klempner Röhrich, der neulich die Sanitäranlagen des Hotels repariert hat. Röhrich rennt mit dem Geld zum Getränkemarkt Biernot und begleicht dort seine Schulden für Alkoholika im Wert von 200 Euro. Der Getränkehändler fährt schnell zu Verenas Erotik Center, wo er Stammkunde ist und noch vier Sitzungen a 50 Euro zu begleichen hat. Die Puffmutter Verena nimmt daraufhin das Geld und bringt es dem Manager ins Hotel „Zum Leistungsträger“, als kleine Zuwendung dafür, dass bei Business-Meetings die Dienste ihres Etablissements gebucht wurden und weiterhin gebucht werden. Die 200 Euro liegen wieder auf dem Thresen. Nach ausführlicher Begutachtung kommt der Geschäftsmann aus der Suite zurück und ist nun doch nicht damit zufrieden. Er nimmt die 200 Euro wieder an sich und verlässt das Hotel. Und alle Beteiligten lebten glücklich und schuldenfrei (zumindest bis ans Ende des Monats).

Was diese kleine Geschichte alles beinhaltet, soll in weiteren Artikeln hier auf dem Blog erötert werden. Es geht hier u.a. um die Rolle von Geld einerseits als direktes Tauschmittel, andererseits selbst als Kapital, oder weitergedacht, als handelbare Ware. Dass daraus Konflikte entstehen müssen, ist nur folgerichtig. Andererseits ist es offensichtlich, dass verschiedentlich Leistungen erbracht werden, bei denen nicht sofort einen Gegenwert, sondern nur ein Anspruch darauf verbucht wird. Durch welche realen Werte ist ein solcher Anspruch gedeckt, und wie wirkt er sich auf den Wert des Tauschmittels aus? Könnte man Leistungen, reale Wertschöpfungen, also nicht anders behandeln und verhandeln als rein virtuelle Wertschöpfungen?

Drittens und letztens, geht es generell um die Virtualität solcher Ansprüche. Viele dieser Ansprüche, also Guthaben in Währungen, Aktien, Ansprüche auf Edelmetalle oder Emissionsrechte, sind nur mehr virtuell vorhanden. Dass man die sowieso nicht fressen kann, darauf muss ich nicht extra hinweisen. Wie sieht es aber mit Diebstahl aus? Wenn jemand mit einer „gefundenen“ Kreditkarte fremde Ansprüche für sich in reale Güter umsetzt, ist der Fall einfach. Wenn man aber die Beschreibung einer Menge solcher Ansprüche auf CD kopiert und, gegen weitere Ansprüche, einem Dritten zur Ansicht gibt (ohne die ursprünglichen Daten zu manipulieren), was ist das dann eigentlich?

Genauso auch diese Story, bei der „Hacker“ sich Emissionsrechte (vulgo CO2-Zertifikate) an der europäischen Energiebörse EEX erschlichen und weiterverkloppten. Sicher, da wurden virtuelle Ansprüche umverteilt, aber was hat das in der realen Welt für Konsequenzen? Diese Ansprüche sind schliesslich nur mehr eine Vereinbarung; können Unternehmen, denen die Emissionsrechte abgezockt wurden, auf die ursprünglich vereinbarten, also nicht manipulierten, Ansprüche pochen? Wie resistent gegen Manipulation sind überhaupt die Daten, die virtuelle Ansprüche generell beschreiben und festhalten?

Dazu noch als kleine Randbemerkung: „Hacker“ deshalb in Anführungszeichen, weil es sich um einen ganz klaren Phishing-Angriff handelte, also Massenmails a la „Sicherheitscheck: bitte nochmal ihr Passwort hier eingeben“ und dabei auf eine präparierte Seite verlinken. Wie man im Jahr 2010 noch auf diesen Schmott reinfallen kann, ist mir schleierhaft… Und dann: Emissionsbörse? Es kann also mit Emissionsrechten gehandelt, spekuliert etc. werden; wie das dem Umweltschutz nützt, ist in mehrerlei Hinsicht fraglich. Mir selbst war allerdings nicht bewusst, dass die politische Agenda, die Klimawandelpanik zur Eröffnung neuer Casinos zu nutzen, schon so weit fortgeschritten ist.

Ein letzter Themenbereich ist natürlich die Geldschöpfung durch Banken. Wie genau das geht, und welche Implikationen das hat, dazu bekommen wir hier vielleicht auch noch eine Diskussion hin. Nur soviel vorweg: andere Ökonomen meinten über dieses Thema schon „The process by which banks create money is so simple that the mind is repelled.“

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