Übrigens

Alter Wein in neuen Bäuchen

Wenn sie sehen, wie viele sie sind, gibt es einen Aufstand gegen uns!

Römischer Senator auf den Vorschlag, alle Sklaven mit weissen Armbändern zu versehen, um sie besser erkennen zu können.

Hebt die Augen auf und zählt das Häuflein eurer Presser, die nur stark sind durch das Blut, das sie euch aussaugen, und durch eure Arme, die ihr ihnen willenlos leihet. Ihrer sind vielleicht 10.000 im Großherzogtum und eurer sind es 700.000, und also verhält sich die Zahl des Volkes zu seinen Pressern auch im übrigen Deutschland. Wohl drohen sie mit dem Rüstzeug und den Reisigen der Könige, aber ich sage euch: Wer das Schwert erhebt gegen das Volk, der wird durch das Schwert des Volkes umkommen.

Georg Büchner: Der Hessische Landbote

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Propaganda

War on public opinion

Als ich in einem rezenten Post den „Krieg für Demokratie und Menschenrechte“ als Propagandamasche bezeichnet habe, lag ich damit offenbar genau auf der Linie von CIA-Analysten. Ein heute auf wikileaks veröffentliches Dokument der CIA erörtert Medienstrategien, um die öffentliche Meinung in Frankreich und Deutschland zugunsten des ISAF-Mandats zu beeinflussen und so einem Ausstieg aus dem Krieg samt Regierungswechsel, wie in den Niederlanden geschehen, vorzubeugen. Schon der erste Absatz ist ein Brecher:

Public Apathy Enables Leaders To Ignore Voters.

The Afghanistan mission’s low public salience has allowed French and German leaders to
disregard popular opposition and steadily increase their troop contributions to the
International Security Assistance Force (ISAF).

Damit diese geistige Dumpfheit auch so erhalten bleibt, wird mehrerlei empfohlen. Es sei bspw. opportun, Umfragen herauszutellen, in denen Afghanen die NATO- und ISAF-Präsenz im Land befürworten (zu ca. zwei Dritteln). Eine verlässliche Umfrage dazu gebe es, so im Dokument. Damit ist wohl diese hier gemeint, an der etwa 1500 AfghanInnen teilgenommen haben. Sicherlich muss man dieses Ergebnis auch zur Kenntnis nehmen, eine politische Mehrheit ist es aber noch lange nicht.

Aber auch völlig jeder empirischen Grundlage entbehrende Manipulationen werden vorgeschlagen:

For example, messages that illustrate how a defeat in
Afghanistan could heighten Germany’s exposure to terrorism, opium, and refugees
might help to make the war more salient to skeptics

sowie das von mir schon thematisierte Holzhammerargument zum Abschluss:

Emphasis on the mission’s multilateral and humanitarian aspects could help ease
Germans’ concerns about waging any kind of war […]

Und das, meine Damundherrn, ist natürlich heftiger Tobak. Da in dem gesamten Dokument die Frage nach dem „Wie?“ überhaupt nicht gestellt wird, kann davon ausgegangen werden, dass die Beeinflussung der Medienöffentlichkeit ein zuverlässig greifender und erprobter Mechanismus ist. Ich wünsche also viel Spaß dabei, kommende Medienbeiträge mit der beschriebenen Stoßrichtung ausfindig zu machen.

Bei wikileaks ist sowieso gerade die Kacke am Dampfen. Am 5. April ist die Veröffentlichung eines Videos geplant, welches ein Massaker an afghanischen Zivilisten durch US-Angriffe belegt. Wahrscheinlich deshalb geht es gerade zu wie im James-Bond-Film: Überwachen, Verfolgen, Festnehmen von Leuten aus dem Dunstkreis des einzig nicht-anonymen wikileaks-Mitarbeiters Julian Assange. Interessierte finden hier sein Statement zu diesen Vorgängen.

Auf der anderen Seite stimmt ein Abschiedsartikel eines der Urgesteine des amerikanischen investigativen Journalismus, Paul Craig Roberts, traurig. Der ehemalige Redakteur und Kolumnist des Wall Street Journal sowie der Business Week geht darin mit den Konzernmedien sehr hart ins Gericht, wie z.B. hier:

The Council of Europe is investigating the drug companies’ role in hyping a false swine flu pandemic in order to gain billions of dollars in sales of the vaccine.

The media helped the US military hype its recent Marja offensive in Afghanistan, describing Marja as a city of 80,000 under Taliban control. It turns out that Marja is not urban but a collection of village farms.

And there is the global warming scandal, in which NGOs, the UN, and the nuclear industry colluded in concocting a doomsday scenario in order to create profit in pollution.

Wherever one looks, truth has fallen to money.

und trifft die lakonische Feststellung:

The American corporate media does not serve the truth. It serves the government and the interest groups that empower the government.

Die absolut verbitterte Grundhaltung dieses Artikels macht es leider leicht, ihn als Rundumschlag abzutun; als Revanche dafür, im „harmonisierten“ (chinesicher Ausdruck für „zensierten“) Medienkonzert als dissonante Stimme erst schräg angeschaut und dann ausgegrenzt worden zu sein. Und ja, somit ist Harmonisierung, ob nun de jure oder de facto, wirklich Zensur.

Während also auf der einen Seite die Waffen gestreckt werden, wünsche ich andererseits wikileaks Erfolg auf ganzer Linie. Der Kampf um die Meinungshoheit in Massenmedien scheint momentan nur mehr Spiegelfechterei, Blendwerk zu sein; solche Projekte wie wikileaks werden also von Geheimdiensten zu Recht als Bedrohung wahrgenommen. Da wikileaks ja auf anonyme Quellen innerhalb der betroffenen Organisationen angewiesen ist, sollten sich die schlauen Dienste allerdings ein paar andere Fragen stellen. Ob sie zum Beispiel vergessen haben, dass an allen Stellen, in allen Organisationen, Menschen sitzen; davon mehr und mehr Menschen, die es mit ihrem Gewissen nicht vereinbaren können, bei der Verheimlichung diverser Sauereien mitzumachen. Was es bedeutet, wenn das Aufdecken solcher Sauereien meistens einem Hochverrat, mindestens aber einem beruflichen Suizid gleichkommt. Und an welcher Art von Gesellschaft sie da eigentlich mitbauen.

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Die Welt befreien

Einen schönen Beitrag dazu, wie moderner Imperialismus funktioniert, habe ich in einem Post von M.Gor gelesen. Wenn man sich auf Tagesmeldungen beschränkt, die spätestens nach einer Woche wieder verblassen, bleibt nicht viel von den strukturellen und funktionellen Zusammenhängen im Kopf. Umso wichtiger ist, sich immer wieder zumindestens grob die Zusammenhänge klarzumachen und die Funktionsweisen der Geopolitik aufs einfachst mögliche herunterzubrechen.

Zu folgender Frage: „Meine Frage zu all diesem ist: wie kann man eigentlich so bescheuert sein?“

Wer ist da genau ist gemeint mit „wie kann man eigentlich so bescheuert sein“? Die Leute, die in den Konzernen, hohen politischen Posten oder sonstwo etwas Macht bedienen können oder doch  jeder einzelne, der das alles mit sich machen läßt oder zumindest mit ansieht?

„Da ist der deutsche Parlamentarier durchschnittlich genauso verblendet wie der deutsche RTL2-Zuschauer“

sagte M.Gor. Eben. Und nicht nur die. Jeder (!) sollte sich da angesprochen fühlen und sich fragen, wo ist mein Verhalten und mein Agieren bescheuert? Oder besser gesagt: Wo befinde ich mich noch in den Fesseln vom „Imperialismus“ (Ich benutze den Begriff zwar manchmal selbst, aber der klingt irgendwie etwas durchgekaut), wo bin ich nicht frei?

Niemand von uns kann die ganze Welt befreien. Aber jeder einzelne von uns kann einen kleinen, aber nicht unwesentlichen, Teil der Welt befreien und dieser Teil ist jeder selbst! Wer zumindest einigermaßen versucht z.B. Produkte von Konzernen nichtmehr zu kaufen, von denen bekannt ist, dass die großen Dreck am stecken haben hat sich in der Hinsicht schon vom Imperialismus befreit. Jeder, der anfängt alternative Nachrichtenquellen zu lesen und auf keine Terror-, Schweinegrippe- oder Klimahysterie der Hofpresse von Bild bis Zeit mehr reinfällt, hat sich von imperialistischer Meinungsmache auch hierzulande befreit. Jeder mit „modernen“ Fressgewohnheiten, der aufhört sich wie verrückt aus möglichst viel Fleisch und möglichst viel Fetthaltigem und Fertiggerichten zu ernähren und stattdessen auf eine ausgewogene Ernährung umsteigt (in der Fleisch nicht fehlen muss!), hat sich von den Fesseln einer Fressakkumulation befreit die ebenso einer gier-kapitalistischen Logik unterliegt.

Wir können nich über ein System meckern und jammern, wenn wir selber in einem der Millionen von Rädern laufen, die das System am laufen halten. Wie brauchen ja garkeine „sozialistische Revolution“, wie es z.T. die 68er forderten, weil das Grundgesetz und auch die Verfassungen der meisten anderen Staaten auch ohne Diktatur des Proletariats ganz gut ist/sind. Was notwendig ist, ist eine Revolution in jedem selbst. Man kann es nur wiederholen: Jeder muss sich selbst befreien bevor er die Welt befreien will.

Erst wer sich selbst, seinen Kopf von den falschen propagierten Denkmustern von Klassen- Konsum- und Feinddenken befreit hat, kann auch beginnen seine Umwelt aufzuklären und ihr zu helfen. Darum sollen oben genannte Beispiele nicht auf passives Handeln, also unterlassen von Dingen, beschränkt sein. Man kann natürlich auch aktiv werden. Hier und anderswo im Blog zu schreiben ist schon eine aktive Tat um Teile der Welt mit zu befreien. Immerhin bemüht jeder Blogger sich um Wahrheit und häufig wird versucht Ungerechtigkeiten angzupangern, das ist nicht zu unterschätzen. Immer wieder Dinge müssen Dinge ausgesprochen werden, die für jeden offensichtlich und selbstverständlich sein sollten, es aber nicht sind. Wichtig dabei ist, dass man sich nicht zermürben läßt. Ein Beispiel: Nicht jeder läßt sich überzeugen, das Gesöff Coca Cola nichtmehr zu kaufen. Dabei brauch man nur die Begriffe „Coca Cola“ und „Verbrechen“ ergooglen um zu wissen warum. (Beispiel: Wer Coke trinkt kann gleich Blut trinken).

Kannst du drauf verzichten?

Man wird viele treffen, denen es meilenweit am Allerwertesten vorbeigeht, wenn man ihm von den Machenschaften Coca Colas erzählt. Andererseits wird man viele überzeugen können.

—-

Noch ein kleiner Beitrag in eigener Sache. Das ist mein zweiter Post auf diesem Blog. Eingeladen dazu hatte mich Mr. Sami G-Punkt. Ich möchte hiermit mal ein Salut in die Runde werfen und hoffe auf schöne Rudel-Bloggerei mit euch!

Netten Gruß,

derChalo

Bild: http://commons.wikimedia.org

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Offene Briefe an die Leser

Offener Brief an meinen treuen Leser Frank-Walter

Sehr geehrter Frank-Walter Steinmeier,

nachdem sich der Blätterwald noch überrascht gibt, dass Krieg schmutzig ist und man auch gern mit Diktatoren militärisch kollaboriert, weil man ihr Land als Brückenkopf braucht, um nebenan „für Demokratie und Menschenrechte“ zu kämpfen, wird es für Sie endlich Zeit, die Konsequenz aus Ihrem jahrelangen Zuwiderhandeln gegen das EU-Embargo über Usbekistan zu ziehen.

Sie schaden nicht nur Ihrer Partei, sondern auch der deutschen (Rest-)Demokratie überhaupt: sollten Sie diesen Skandal politisch überleben, so erschließt sich dem Normalbürger nicht, warum er sich überhaupt noch an irgendwelche Gesetze halten sollte. Ihr Vertrauen haben Sie verspielt, als Oppositionsführer sind Sie unglaubwürdig. Übernehmen Sie die Verantwortung und treten Sie vom Amt des Fraktionsvorsitzenden zurück und am besten auch aus der SPD aus!

Hochverachtungsvoll,
M.Gor^Blogicide

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Sozialpolitik

Der Volkskörper muss entschlacken

…oder so ähnlich. Wie nah Sarrazin & Konsorten geistig am 3. Reich sind, ist heute bei feynsinn dokumentiert. Deshalb hört euch unbedingt den Audioclip dort an… und danach vielleicht nochmal zum Spaß die Lyrics von Schweineherbst (anno ’93) rekapitulieren.

Update: ad sinistram hat einen wirklich schönen Artikel, den man sich direkt nach den Schweineherbst-Lyrics noch zu Gemüte führen sollte.

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