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Step out, step out of your echo chamber (The Ark)

Heute gibt’s einen umfangreichen Anspieltipp zur Medienkompetenz: den Film „Kann nicht sein was nicht sein darf!?“. Er besteht in der Hauptsache aus Interviews mit Medien- und Kommunikationswissenschaftlern sowie Journalisten; das Blog kannnichtsein.com hat ihn produziert und unter Creative commons-Lizenz veröffentlicht — ein herzliches Dankeschön den Machern für die sichtbar lohnenden Mühen.

Der Film hat knapp Spielfilmlänge, ist also nur zu empfehlen, wenn man tatsächlich Hunger auf Information hat. Sonst ergeht’s uns, unserem Land und der Wirtschaft schlecht, wie man hier nachvollziehen kann. Allerdings ist er so grundsätzlich, dass ich fast sagen möchte, dass ohne dieses Hintergrundwissen eine Betrachtung der heutigen Medienlandschaft unmöglich ist. Ein echtes Basiswerk also. Eine kurze Zusammenfassung des Inhalts an dieser Stelle ist deshalb auch kaum machbar.

Erschreckend ist aber vor allem ein Segment, welches es aus technischen Gründen (Aufnahmeequipment hat gesponnen) nicht in den final cut geschafft hat, aber auf dem Blog abrufbar ist: ein Fallbeispiel sozusagen. Der Journalist und Grimmepreisträger Frieder Wagner erzählt darin, wie er scheiterte, das Thema Uranmunition in den Mainstream-Medien unterzubringen; wie seine Arbeit dazu im Giftschrank des WDR verschwand. Uranmunition wurde und wird im Kosovo, Afghanistan und dem Irak verwendet. Dabei wird aus dem Abfall der Atomindustrie panzerbrechende Munition hergestellt, deren radioaktive Partikel nach Einsatz der Waffe Land, Leute (und auch die Soldaten, die sie einsetzen) verseuchen. Die schrecklichen Folgen wollte hierzulande wohl niemand in der Öffentlichkeit erörtern. Meines Erachtens ist dies nichts anderes als Zensur. Vielleicht bespreche ich Wagners Film „Deadly Dust – Todesstaub“ an anderer Stelle im Blog.

Zusammenfassend kann man sagen, dass die Unabhängigkeit der Mainstream-Medien in Deutschland weiterhin rasant abnimmt, dass eine ganze PR-Industrie auf den Medienapparat einwirkt und die Qualität der Berichterstattung mehr und mehr auf dem Boulevard ankommt. Das klingt vernichtend, sollte aber Weckruf gemeint sein. Eine gesteuerte „Gleichschaltung“ der Medien ist zum Glück nicht festzustellen, allerdings hat die Mode des Abschreibens offensichtlich soweit zugenommen, dass permanent und massiv ein sog. echo chamber-Effekt am Werke ist.

Ein Beispiel hierzu konnte ich neulich selbst erleben: ich habe ein Pärchen getroffen, die beide für einen großes deutsches Telekommunikationsunternehmen im Bereich Online-Journalismus tätig sind. Genervt erzählten mir die beiden, dass der große Hype gerade die Suchmaschinenoptimierung (SEO) der Beiträge sei. Sprich: wenn die Schlagworte einer laufenden Debatte gesucht werden, sollen die Artikel des entsprechenden Unternehmens möglichst präsent erscheinen. Das geht über formale wie inhaltliche Muster bei Überschriften und auch im Haupttext. Wenn sie also Artikel schreiben, liegt der Fokus hauptsächlich darauf, entsprechend optimierte Textbausteine mit Schlagwörtern zu füllen und diese danach zu Sätzen zusammenzustricken, um aus dem Gesabbel optimale Verwertbarkeit herauszuholen. Ein deutlicher Mechanismus der Echokammer… obwohl der Erfolg der SEO auf diesem Gebiet noch umstritten ist. Ob solche strengen Kriterien auch an den Inhalt gestellt würden, fragte ich. Und wurde ausgelacht.

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