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Wenn die Antisemitismuskeule versagt

Zum ersten mal habe ich über sie während des letzten Kriegs gegen den Gazastreifen berichtet. Zu hören ist seitdem in der bürgerlichen Presse noch immer nicht mehr als damals von ihnen. Doch sie sind da und wollen sich weder wegleugnen noch wegdiffamieren lassen

Antizionistische Juden werden von ihren Gegnern gerne als „Selbsthasser“ bezeichnet die Antisemiten als Kronzeugen gelten. Damit werden sie mit Nazis und Geschichtsrevisionisten in eine Ecke gestellt. Das Muster das sich dahinter verbirgt ist so ziemlich das gleiche wie bei der Diffamierung anderer Kritiker Israels: Es werden einfach alle über einen Kamm bzw. eine Antisemitismuskeule geschert. Dagegen haben antizionistische Juden, die aus vielen Bereichen des Judentums kommen, starke Argumente.

Es ist immer wieder ein eindrucksvoll, wenn orthodoxe Juden, wie die der Neturei Karta in traditionneler Tracht Seite an Seite mit Muslimen gegen Israelische Politik demonstrieren. Ihre Motivation dabei: Zionismus ist für sie geradezu die Antithese eines auf die Thora basierenden Judentums und eine Ideologie statt einer Religion, die aufgrund ihrer Trennung der Menschheit in verschiedene Rassen auch rassistischen Charakter hat. Wahre Vergfolger der jüdischen Religion sollten nach ihrer Ansicht erst einen Staat mitbegründen und Beiwohnen, den der erwartete Messias aufbaut.

Aber auch nichtreligiöse Bekanntheiten mit jüdischen Familienhintergrund bekennen ihre Gegnerschaft zu Israel in seiner aktuellen Form. Einer der bekanntesten Vertreter dürfte Norman Finkelstein, Sohn polnischer Juden und Holocaustüberlebender, sein. Bekannt wurde Finkelstein mit seinem Buch „Die Holocaust-Industrie„, in dem er eine moralische und finanzielle Ausbeutung jüdischen Leidens anprangert. Anders als die Neturei Karta ist Finkelsteins Kritik am Zionismus keine Religiöse sondern eine Moralische. Angeprangert werden die Vertreibung der Palästinenser bei der Staatsgründung und die aktuelle Apartheitspolitik der rechtsextremen israelischen Regierung.

In Deutschland ist Finkelstein in manch einem Milieu, von dem man es nicht erwartet hätte, seit neuestem eine Persona non Grata. Die eigentlich linke Rosa-Luxemburg-Stiftung sagte eine Diskussion wegen angeblich zu hoher politischer Brisanz ab. Offenbar hat es Druck von ungenannten Seiten gegeben. Die Vereinigung „Jüdischen Stimme für gerechten Frieden in Nahost“ sah dahinter die Machenschaften der „israelischen Lobby eines Schlag-zu-Nationalismus“ (pdf). Solidarisch mit dem US-amerikaner zeigten sich auch andere jüdische Gegner israelischer Politik aus Deutschland.

Aufgrund von Unterpräsenz in den Konzernmedien nicht sehr bekannt, aber dennoch sehr aktiv ist da Abraham Melzer zu nennen, Herausgeber der Zeitschrift „Der Semit„. Schwerpunkt der aktuellen Ausgabe der dem eigenen Selbstverständnis nach „Unabhängigen jüdischen Zeitschrift“ ist der Einfluss pro-israelischer Pressure Groups, wie sie schon John Mearsheimer und Stephen Walt in ihrem Werk „The Israel Lobby and U.S. Forgein Policy“ behandelten. Ein der Neturei Karta nahestehnder deutscher Journalismus läßt sich auf „Der Israelit“ lesen. Gewidmet ist die Seite dem „ersten jüdischen Mordopfer zionistischen Terrors“ Jaacov Jisroel DeHaan, der 1924 von Haganah-Terroristen erschossen wurde. In einem zum jüdischen Pessach-Fest erschienenem Artikel werden andere einst antizionistische Strömungen des orthodoxen Judentum kritisiert, die schließlich im Zionismus aufgegangen sind.

Co-published  on politruc.com

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Ein Gedanke zu “Wenn die Antisemitismuskeule versagt

  1. Habe zufällig ein ziemlich interessantes und zum Thema passendes Interview mit der Schriftstellerin Angelika Schrobsdorff gelesen, die jüdischer Herkunft ist und lang in Jerusalem gelebt hat: http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2007/0224/magazin/0001

    Dabei ist Schrobsdorff nicht primär eine politische Autorin, hat aber einen sehr klaren Blick auf die Gesellschaft, auf Menschen, auf Ungerechtigkeiten. Und auch sie hat die Keule abbekommen, Zitat: „Wissen Sie, wenn man als Jude nicht eindeutig Stellung für Israels Politik bezieht, ist man automatisch ein Nestbeschmutzer.“

    Im Prinzip gibt es solche Muster bei uns nicht nur in puncto israelische Politik. Auch wer den Afghanistan-Einsatz kritisiert, „argumentiert den Taliban in die Hände“. Es ist wichtig, solche offensichtlichen Diffamierungen zu benennen und die (meistens) aufwieglerische Agenda dahinter klar abzulehnen.

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