Bulgarien

Parallelgesellschaft im Sandkasten

Zitat aus Bulgarien: „Wir haben gegenüber euch im Westen einen Vorteil: wir wissen schon seit dem Kommunismus, dass alle Politiker korrupt und verlogen sind, und dass alles, was in der Zeitung steht, Propaganda ist.“ Damit haben sie uns sicher einiges voraus. Es wird an die Politiker von vornherein gar nicht der Anspruch erhoben, sie könnten überhaupt repräsentative Funktionen ausüben. Mehr oder weniger werden sie als nervige Parallelgesellschaft geduldet, die sich irgendwie um die äußeren Belange des Landes kümmert. Mit dem täglichen Leben aber werden sie kaum in Verbindung gebracht.

In einem Interview, das ich hier gelesen habe, fordert der italienische Botschafter in Bulgarien eine verlässliche und durchsetzbare Zivil- und Verwaltungsgesetzgebung, um im Land internationale Investitionen anzulocken. Im Umkehrschluss ergibt das eine gute Idee dafür, wie man die Lumpenelite im eigenen Land abkapselt; in der Informatik würde man von sandboxing sprechen. Und sandboxing ist in der Tat notwendig, wenn man sieht, wie sehr einige wenige Soziopathen die übrigen Prozesse des Landes in Mitleidenschaft ziehen. Denen muss es also so ungemütlich wie möglich sein… dann nehmen sie sich etwas zurück. Es gibt für sie wohl kein größeres Fiasko als das, dass die Leute begreifen, wer ihnen ständig interkulturellen oder -religiösen Hass oder ökonomischen Neid einflüstert… und endlich einmal solidarisch sind.

Sowohl feynsinn als auch der Eifelphilosoph schreiben interessante Dinge zu einem SpOn-Kommentar, bei dem unerwartet klar beschrieben wird, wie inzestuös es im deutschen Top-Management zugeht. Fazit ist hier, dass sich Leistungsträger eigentlich nur wegen Oppas Erbe und Papas Seilschaft so nennen können. Ob ihrer inhärenten Unfähigkeit gehen sie mit Verachtung gegen die vor, die sich selbst durchschlagen können. In der Informatik wie gesagt ein typisches Anwendungs-Szenario für sandboxing, oder einer noch weitergehenden Virtualisierung. Ab mit den Leistungsträgern ins Bällebad, Papiergeld reingeschmissen und ihnen eingeredet, dass das ganz wichtig ist, Tür zu und Schlüssel weg. Wer entwickelt aus meinen Stammtischparolen auf hohem Niveau einen politischen Ansatz?

Richtig finde ich den Tenor in den angesprochenen Kommentaren, dass es nichts weniger als einer Kulturrevolution bedarf, um hier einen Fortschritt zu erzielen: ein Loslassen der feudalen Gesellschaftsstrukturen, die m.E. in Deutschland nie wirklich überwunden wurden. In einer Gesellschaft, bei denen einzelne Institutionen, Parteien, Konzerne, Medien oder Gewerkschaften sehr viel Macht in sich vereinen, muss im Sinne der Gewaltenteilung gegenseitige Kontrolle her — sonst ist das eine Einladung für den Putsch von oben. Hier ist auch der einzelne Bürger gefragt, der auf Transparenz besteht und sich nie das Recht nehmen lässt, seine Meinung zu äußern. Des weiteren müssen all diese Einrichtungen demokratisiert werden — ohne demokratisch organisierte Akteure kein demokratischer Staat. Das war’s. Jetzt bitte weiterschlafen.

On a personal note: hatte mit Boza übrigens schon meine erste Begegnung. Schmeckt wie etwas, was in die Deutschland die Müslifraktion mit Vorliebe trinken würde… wenn nicht so viel Zucker bzw. stattdessen Honig drin wäre. Ungekühlt allerdings problematisch zu transportieren, mal sehen was geht.

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Ein Gedanke zu “Parallelgesellschaft im Sandkasten

  1. Sami G. schreibt:

    Ich habe da letztens ein Video gefunden das in dieselbe Kerbe schlägt: http://www.youtube.com/watch?v=iDub-26P3pQ&feature=related
    Wobei er nicht komplett die Verbindungen aufzählt. So zeigt er nicht die Verbindung zwischen Michael Diekmann und Henning Schulte-Noelle in der Allianz SE.

    Wo ich das Problem sehe ist die Haftung. Wenn man die auch für Manager hätte, würde es eine Evolution auch in der Manageretage geben. Vermutlich würde dann auch die Verantwortung und damit hoffentlich auch die Entscheidungsgewalt auf mehrere Schultern verteilt, weil die obere Etage dann weiche Knie bekommt, wenn sie aus eigener Tasche Millionen zahlen müßten.

    Das Zitat, daß man der Presse mißtrauen soll, ist mir bekannt und es scheint wohl in jedem Land, wo die Meinungsfreiheit etwas offenkundiger unterdrückt wird, der Mehrheit bewußt zu sein. Seltsam ist nur, daß man dann als achso aufgeklärter europäischer Herrenmensch auf solche reflektierende Menschen herabschaut. Zurecht, denn hier ist die Aufklärung entstanden, sodaß wir uns einen Kopf machen mit welchen Stürmern die deutsche Nationalmannschaft bei der Fußball-WM scheitern wird (vergleicht den deutschen Sturm, Poldi und Klose, bitte mal mit dem argentinischen Sturm Messi-Higuaín (Barcelona und Real Madrid) und ihr wißt, daß Deutschland Lichtjahre von Weltklasse entfernt ist).

    Back to your personal note: Wenn es nicht möglich ist das „Gesöff“ zu transportieren, dann mach dir keinen Kopp. Ich glaube man kann es eigtl auch selber herstellen.

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