Naher Osten

Gaza: Synonym für Ungerechtigkeit und Überlebenskunst

Seit der mörderischen dreiwöchigen Bombardierung des Gazastreifens durch die israelischen Streitkräfte sind nun bald 15 Monate vergangen. Die Bilder der überproportional hohen Opfer in der palästinensischen Zivilbevölkerung – über 900 der etwa 1400 Toten waren Zivilisten – sind bis heute unvergessen. Das Leiden der Menschen im Gaza hat jedoch beim Stop der Bombardements am 18. Januar kein Ende gefunden. Die komplette Blockade des kleinen Gebiets, die schon seit 2007 besteht und seitdem permanent verstärkt und brutalisiert wurde, ließ seit Kriegsende keine Verbesserung der Situation zu.

Im Gegenteil: Die humanitäre Lage im dichtbesiedelten Landstreifen wird immer bedrohlicher. Es fehlt an Baumaterial zur Wiederinstandsetzung der über 4000 zerstörten Wohnhäuser und von den über 50.000 am Ende des Kriegs obdachlos gewordenen Menschen haben viele immernoch kein festes Dach über dem Kopf. Aber an einem fehlt es besonders in den letzten Tagen: Elektrizität. Medhat Abbas, Generaldirektor des Gesundheitsministeriums im Gazastreifen berichtet gegenüber Press TV, dass die Krankenhäuser und Kliniken nun mit Strom aus Motoren betrieben werden müssen. Grund dafür ist, dass das einzige Kraftwerk des Gazastreifens aufgrund von Engpässen durch die israelische Blockade seit dem 9. April heruntergefahren wurde.

22.000 Liter Diesel am Tag werden nun benötigt, um den Betrieb der medizinischen Einrichtungen zu garantieren. Das bedeute Todesgefahr für Frühgeburten, für von Instrumenten abhängigen Patienten und für Menschen auf der Intensivstation. Israel hat laut Völkerrecht als Besatzungsmacht die Pflicht, die Versorgung der Bevölkerung zu garantieren (pdf). Zumindest der freie Erwerb von Treibstoff auf dem Weltmarkt sollte erlaubt sein. Stattdessen werden immer wieder die Tunnel im Süden am Grenzort Rafah, welche mittlerweile die Lebensadern des kompletten Küstenstreifen darstellen, durch Bombardements zerstört. Selbst Hilfboote von westlichen NGOs, beladen mit den nötigsten Gütern, wurden von der israelischen Marine geentert und nicht nach Gaza durchgelassen.

Die in der arabischen Welt mit Fassungslosigkeit aufgenommene Kooperation des Diktators von Ägypten trägt den Rest dazu bei. Mit einer jüngst begonnenen Initiative in Form einer tiefen Trennwand steuert das Land am Nil seinen Teil zur humanitären Katastrophe bei. Flutungen der Tunnel und die Einspeisung von Gas soll bereits Todesopfer in den „unterirdischen Supermärkten“ gefordert haben. Dennoch besteht Grund zur Hoffnung. Gerade weil immer wieder Berichte kommen, die Lage sei kurz vor dem Zusammenbrechen und die Menschen im Gazastreifen sich immer wieder kreativ und auch mutig bei der unterirdischen Überwindung der Blockade bewiesen haben, bleibt die Hoffnung, dass die Krankenhäuser und die ganze Bevölkerung auch diesen Engpass zu meistern wissen.

Noch ein Kommentar:

Mit Kopfschütteln und Erstaunen liest man derweil in der bürgerlichen deutschen Presse immer wieder, wie versucht wird, die Haltung von rund 1,5 Millionen Menschen in einem Freiluftgefängnis zu rechtfertigen: Die Menschen im Gazastreifen hätten bei ihren Wahlen mit der Hamas einfach die falsche Entscheidung getroffen, eine Öffnung der Grenzen würde nur für Waffennachschub sorgen und gegen die „ständigen Raketen“ auf Israel müsse man etwas tun. Für letzteres Argument zählen dann auch keine Statistiken, die das genaue Gegenteil beweisen. Und dass man mit der Behauptung, irgendwer hat falsch gewählt, seine eigenen demokratischen Prinzipien, die man angeblich den Rest der Welt bringen möchte, kurzerhand über Bord wirft, tritt ebenso in den Hintergrund. Wie man die Sache auch dreht, wenn man neutral und den Tatsachen entsprechend berichten möchte, kommt man an Gaza nicht vorbei, ohne Israels unmenschliches, mörderisches Verhalten in dieser Blockade und in den Bombardierungen, die Anfang 2009 ihren Höhepunkt fanden, zu verurteilen.

Co-Published: politruc.com

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