Technisches, Web

Hast du ein Gesichtsbuch?

Ich habe schon fast ein schlechtes Gewissen, daß ich Freunden vor einiger Zeit facebook aufgeschwätzt habe. Gut, es war so, daß viele damals studivz nutzten und ich die Vorteile von facebook gegenüber dem deutschen Klon gesehen habe. Facebook ist internationaler, was gut ist, wenn man Freunde hat, die im Ausland leben und kein deutsch sprechen. Technisch war facebook studivz immer voraus, so war eine Chatfunktion und Twitteranbindung, sowie die Integration von Videos viel früher bei facebook möglich. Ebenso wurde man bei studivz ständig mit CAPTCHAs und Serverausfällen genervt. Mich wundert und ärgert diese technische Unterlegenheit der deutschen Kopie -das kommt noch hinzu: der Verdacht, daß studivz Quellcode von facebook gestohlen hat-, schließlich wurde studivz für eine Menge Geld (man munkelt zwischen 85 und 100 Mio. Euro) gekauft. Wäre ein Teil davon in die technische Infrastruktur gesteckt worden, hätte studivz auch sicher nicht den schlechten Ruf und den Mitgliederschwund, den es jetzt hat.

Der Fall scheint also klar zu sein: Technisch und demographisch ist facebook die bessere Option. Was spricht jetzt gegen facebook? Generell ist dazu zu raten, daß Nutzer sparsam mit ihren Daten in sozialen Netzwerken umgehen. Vor kurzem wurde angeblich facebook von einem neuseeländischen Hacker geknackt. Man stelle sich den Schaden vor:

  • SPAM-Nachrichten können versendet werden, wobei die Empfänger dem möglicherweise auf den Leim gehen werden, da sie dem befreundeten Absender vertrauen.
  • Passwörter können abgerufen werden. Einige Nutzer haben ein einziges Passwort für verschiedene Internetapplikationen, das heißt, daß Hacker eventuell auf sensible Daten im e-mail-Account des Nutzers zugreifen können, wenn die Passwörter identisch sind.
  • Data-Mining ist möglich. Anstatt offiziell bei facebook mit großem finanziellen Aufwand einzusteigen, wäre es nun Firmen und Geheimdiensten möglich, durch ein illegales Geschäft mit dem Hacker sich facebooks Datenbanken zu ermächtigen und nach interessanten Daten, wie „Welche Produkte sprechen welche Altersgruppe an?“ oder „Wer ist wann, wohin gereist?“ zu suchen.

Wer sehen will, wie transparent sein Profil derzeit ist, kann es mit dieser Applikation testen. Man gibt entweder sein Alias, das ist ein Name der für gewöhnlich hinter http://www.facebook.com/ steht, oder seine ID, welches eine Folge von Zahlen ist, ein und man kann sehen, welche Daten öffentlich zur Verfügung stehen.

Die oben genannten Gefahren sind natürlich allgemeine Gefahren bei der Benutzung sogenannter sozialer Netzwerke. Nun kann aber ein Mißbrauch des Datenzugriffs nicht nur von außerhalb, sondern auch innerhalb facebooks passieren. In den vergangenen Jahren ist die Zahl der facebook-Nutzer rasant gestiegen, sodaß heute von 400 Mio. aktiver Nutzer die Rede ist. Mit dem Anwachsen der Nutzerzahl, wuchs auch das finanzielle Interesse welches sich in Investitionen widerspiegelt. Interessanterweise ist gleichzeitig eine Auflockerung des Datenschutzes beobachtbar. So wurden Daten defaultmäßig immer größeren Gruppen zugänglich: von Leuten der gleichen Bildungseinrichtung bishin zur weltweiten Offenlegung durch Indizierung des Profils durch Suchmaschinen. Interessant ist auch die letzte Neuerung vom April, nämlich, daß auch Applikationen Zugriff auf das Profil haben. Als gewieftes IT-Unternehmen kann man ein cooles Programm schreiben und kommt so an Daten, die man munter weiterverscherbeln kann, wie ich es oben angeführt hatte. Dies ging auch nicht an einigen amerikanischen Senatoren vorbei, die sich jetzt für einen besseren Datenschutz aussprechen.
Und nicht nur die IT-Unternehmen können sich der Daten bedienen. Facebooks Investoren können ganz legal vieles über die Nutzer herausfinden. Microsoft kann beispielsweise durch intelligente Marktanalyse versuchen sein Sterben hinauszuzögern.

Bedenklich ist darüberhinaus auch die Verbindung facebooks zum CIA. Accel Partners war einer der ersten Geldgeber facebooks. In dessen Vorstand sitzt ein gewisser Gilman Louie, der auch CEO der Firma In-Q-Tel ist, welche vom CIA gegründet wurde, um dem CIA informationstechnisch Vorteile zu bereiten. Mit einer Beteiligung bei facebook scheint man in der besten Position zu sein da aushelfen zu können.

Ebenfalls bei facebook beteiligt ist der PayPal-Gründer Peter Thiel. Wenn man sich die Verbindungen anschaut, dann sollte es einen nicht wundern, daß „versehentlich“ die Wikileaks Fanpage auf facebook gelöscht wurde, sowie daß PayPal im Januar das Wikileakskonto eingefroren hat.

Was soll man jetzt machen? Ich gebe euch eine Antwort á la Peter Lustig: „Einfach mal abschalten abmelden!“

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2 Gedanken zu “Hast du ein Gesichtsbuch?

  1. Sami G. schreibt:

    Ein paar Informationen in dem Artikel stammen aus diesem Video http://www.youtube.com/watch?v=KpLNlSKugHw und sind auch durch weitere Quellen bestätigt worden. Natürlich kann man auch einen anderen Weg gehen als sich von sozialen Netzwerken abzumelden. Man kann allerlei Müll veröffentlichen und so Data-Mining erheblich erschweren http://www.wired.com/techbiz/people/magazine/15-06/ps_transparency und man muß nicht unbedingt mit echtem Namen auftreten und dort mit seinen echten Bekannten, die man ja auch regulär per e-mail kontaktieren kann, in Verbindung stehen.

  2. Nu ist es bei mir auch so weit. Muss ehrlich sagen: hab über facebook niemand neuen (persönlich) kennengelernt, und alte Freundschaften haben auch schon vor FB gehalten… Hoffe, möglichst viele Leute dann mal „in echt“ wiederzusehen. Oder auf einem anderen (dezentralen, verschlüsselten und privatsphärerespektierenden) social network, wenn’s denn irgendwann fertig wird: http://joindiaspora.com/

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