Naher Osten

Hunde können mehr als Menschen

Ging man früher davon aus, daß Hunde nur schwarz-weiß sehen können, so weiß man heute, daß sie (begrenzt) Farben wahrnehmen können. Damit scheinen sie ihren Besitzern überlegen zu sein, denn der Homo sapiens tendiert dazu Dinge nur schwarz-weiß zu sehen.

In den vergangenen Tagen wurde sowohl von dem Nachrichtendienst Associated Press, als auch von Al Jazeera berichtet wie Demonstranten in Kairo von Polizisten niedergeschlagen und verhaftet wurden. Die Tagesschau beispielsweise, als Sprachrohr des Berliner Regimes, hat nichts darüber berichtet. Eine Google-News-Suche ergibt, daß nur die Stuttgarter Zeitung und Zeit Online im deutschen Sprachraum darüber berichtet haben.

Das geringe Interesse ist seltsam, schließlich werden in den westlichen Medien doch gerne Bilder fanatischer Massen von Orientalen gezeigt. Vermutlich liegt der Grund der fehlenden Berichterstattung in dem Anlaß für die Demonstrationen. Es wurde nicht der Tod von Comiczeichnern (, die diffamierende Zeichnungen eines Religionsstifters angefertigt haben,) gefordert. Es wurde auch nicht gegen eine islamische Regierung demonstriert und so dem westlichen Zuschauer klar zu machen wie gut er es doch in seinem kapitalistischen Land hat. Noch wurden Israel- oder Amerikaflaggen verbrannt, was dem Feindbild des Orientalen entsprechen würde.

Stattdessen wurde gegen die ägyptische Folterpraxis und damit für mehr Menschenrechte demonstriert. Es muß schon sehr unangenehm sein kritisch über eine befreundete Diktatur zu berichten, die seit fast 30 Jahren den Notstand ausgerufen hat, um so seine Macht zu festigen. Ebenso schwer muß es sein die dortige Bevölkerung als zurecht aufgebracht zu zeigen, es bestünde nämlich noch die Gefahr, daß man sich mit den einfachen Menschen anderer Völker identifiziert. Das wäre ein Albtraum für jede imperialistische Regierung, wenn die eigene Bevölkerung Bedenken hinsichtlich des Umganges mit Völkern bekommt, die von strategischem oder wirtschaftlichem Interesse sind.

Anscheinend ist kein Interesse da, wenn Menschen im Namen eines Staates gefoltert werden. Das kennt man schon von den Amerikanern und bei vielen anderen Verbündeten wie Jordanien macht man besser beide Augen zu und lobt sie als vorbildliche Staaten.

Auch Meldungen aus dem Judenstaat, daß dunkelhäutige Juden dort öffentlich beschimpft werden, sucht man vergeblich im deutschen Sprachraum, schließlich könnte noch das Bild entstehen Juden seien ein gewöhnliches Volk – sofern sie denn ein Volk sind, man beachte die Arbeit von Shlomo Sand – , das, sowie andere Völker auch, verachtens- oder schon fast bemitleidenswerte Spinner unter sich hat.

Im kollektiven Bewußtsein des deutschen Volkes dürfte sich das Auslassen solcher Nachrichten getreu John Pilger auswirken: worüber nicht berichtet wird, das ist auch nicht passiert. Ein differenziertes Bild ist also nicht möglich. Wozu brauchen Menschen dann eigentlich HD-Fernsehen?

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2 Gedanken zu “Hunde können mehr als Menschen

  1. Womöglich geht es nicht nur darum – worüber nicht berichtet wird, das ist auch nicht passiert. Es ist auch möglich bestimmte Muster einzuüben. Das Bild, wie denn eine Sache zu betrachten sei, wird gefestigt. Wird dann später (z.B. nach Druck aus der Blogosphäre bei bestimmten Themen) doch noch berichtet, wird die Information mit bereits ausgeprägten Mustern verglichen. Und ist dann damit auch nicht mehr neutral.

    Das ist etwas, das ich häufig beobachte. Es muss nicht unbedingt eine Information ´verschwiegen´ werden. Auch die Reihenfolge in der Informationen präsentiert werden, ist wichtig.

    Freut mich, ab und zu solche Artikel zu lesen! LG W.B

  2. Sch…
    Da hatte ich ein Komma vergessen. Muss heissen:
    Auch die Reihenfolge, (Komma 😉 ) in der Informationen präsentiert werden, ist wichtig.

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