Technisches

Netzneutralität

Da dies gerade in aller Munde ist: hier ist mein Diskussionsbeitrag zur Netzneutralität. Zuerst aber eine Definition:

{Erklärbär on}
Die Netzneutralität besagt, dass die Pakete, in die unser Internet-Datenstrom von und zum Provider aufgeteilt ist, weder aufgrund von Paketart noch von Paketherkunft beschleunigt oder verzögert weitergeleitet werden dürfen. Die Paketart könnte z.B. nach Diensten unterscheiden und somit Torrent- gegenüber HTTP- oder Skype-Paketen verzögern. Die Herkunft von Pakenten kann sich sowohl auf bestimmte Domänen wie bspw. YouTube wie auch auf bestimmte IP-Adressbereiche, i.d.F. bestimmte Unternehmen oder Länder, beziehen.
{Erklärbär off}

Es ist unbestritten, dass sich mit dem technischen Ansatz allein positive Erfahrungen für den Endkunden erzielen lassen, so wie das typische Quality of Service: die Skype- oder QuakeLive-Pakete haben höhere Priorität als der eDonkey, sodass ruckelfrei telefonaniert und gefraggt werden kann, selbst wenn die Saugstube zumindest nominell auf Hochtouren läuft. Wichtig dabei ist allerdings, dass über diese Priorisierung der Endkunde entscheidet; sprich: ich stell’s am Rechner selbst ein.

Sobald der Provider anfängt, Pakete zu inspizieren und deren Durchleitung zu manipulieren, haben wir den Salat. Es geht hier schlicht darum, Wegzoll zu erpressen. Der alte Konzerntrick in neuer Form: eine funktionierende Infrastruktur zu kontrollieren oder eine verfügbare Ressource künstlich zu verknappen und somit aus Luft Profit zu generieren. Denn klar, wer viel zahlen kann (z.B. IT-Player wie Google, Apple und IBM, große Verlage, Spielevertreiber mit solcher Infrastruktur wie Steam, …) will das Optimale für seinen Dienst rausholen und zahlt eben auch viel.

Das Netz ist allerdings kein Volksempfänger, sondern eine bidirektionale Infrastruktur. Stellen wir uns diesen virtuellen Raum also einmal als großen öffentlichen Platz vor, auf dem viele Leute unterwegs sind, die alle miteinander schnacken können. In der Konsequenz soll aber das Fußvolk nur noch flüstern dürfen, während Leute, die Eintritt bezahlt haben, normal reden, und einige wenige, die eine horrende Jahresflat abdrücken, ungehindert rumbrüllen und alle anderen zur Not zwingen können, mal das Maul zu halten. Einleuchtend?

Mit „Gewährleisten des ungehinderten Zugangs zu Information“, „Standortvorteil“, „Investitionsfähigkeit“ yada yada hat das nichts zu tun — wer dem dämlichen Konzernsprech auf den Leim geht und eine öffentliche Einrichtung (wieder mal) der sog. Marktlogik unterwirft, darf sich demnächst nicht über solche Internetrechnungen beklagen.

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