Übrigens

Medienecho

Zur Erheiterung hier zwei Negativbeispiele für den heutigen Journalismus, beides von diesem Wochenende:

Frauenfeindlichkeit im Internet? Gibt es nicht! aus der taz.

Susanne Klingner lässt hier seitenweise ohne erkennbaren Zusammenhang oder Ziel Frauenhass-Sprüche ab, die obligatorischen Tourette-Einlagen („Fotze, scheiß, ficken“) dürfen natürlich nicht fehlen. Im letzten Satz behauptet die Autorin, sie bekäme diese „interessanten“ Kommentare im Netz; mit der Überschrift suggeriert sie, diesen Müll aus aufklärerischen Gründen zu veröffentlichen.

Nun mag ich nicht ausschließen, dass es tatsächlich Gestörte gibt, die sich nicht entblöden, derartiges aus der vermeintlichen Sicherheit des „rechtsfreien Raums“ Internet anderen Menschen an den Kopf zu werfen. Auch der Ärger der Autorin darüber ist nachvollziehbar. Trotzdem kann ich, als Frauen nicht abgeneigter Leser, mit diesem Abgasen einer fauligen Blähung rein gar nichts anfangen. Es gibt keine Quellenangaben, es gibt auch keinen Beleg dafür, solcherlei Beschimpfungen von Frauen wären Meinungs-Mainstream und könnten unwidersprochen so geäußert werden.

Jeder, der seine Meinung äußert, muss sich mit a) sachlicher Kritik und b) Trollen beschäftigen; allein das Fäkalvokabular in den von Klingner zitierten(?) Kommentaren lassen hier auf Kategorie b) schließen. Diese finden sich in jedem Kommentarbereich, zu jedwedem Thema, ob technisch, politisch, gesellschaftlich, religös. Das Vorhandensein dieser Trolle sollte nicht davon ablenken, dass es eine Kategorie a) gibt, nämlich berechtigte Kritik am Feminismus. Und die ist wesentlich interessanter und rechtfertigt erst einen seriösen Artikel. So wie er aber dasteht, sollen die negativen Emotionen der Autoren einfach auch in der Leserschaft hochgekocht werden.

Tut mir leid, Susanne, würde ich einen Blog über Männerrechte machen, werden auch bei mir Leserinnen aufschlagen, die mich als Frauenfeind diffamieren, oder behaupten, ich bekäme keine ab etc. Natürlich ist das unmöglich, aber deswegen heule ich mich nicht in der taz oder sonstwo aus und impliziere, auf emotionaler Ebene, Männerfeindlichkeit sei gang und gäbe.

„Osama, bitte beende die Gewalt!“ aus Spiegel Online.

Dies ist natürlich ein wahres Goldstück, dem auch ich mich nicht mehr sachlich nähern kann. Der Libyer Noman Benotman, ehem. Aufsichtsrat von Al-Qaida (wer kennt ihn nicht?), bittet seinen eigentlich doch ganz menschelnden Kumpel Osama bin L. in einem Brief, endlich mit dem Terror und dem Krieg aufzuhören, und gibt ihm auch noch gute Tips, wie.

Jetzt mal ganz im Ernst: welchen Nachrichtenwert hat dieses Gewäsch? Und ist diese Quelle überhaupt belastbar? Alles journalistische Handwerksfragen, die sich der erwiesene Hirnzwerg Musharbash gar nicht erst stellt, geschweige denn, warum zur Hölle Osama überhaupt von http://www.spiegel.de Notiz nehmen sollte.

Zweck dieses Schwachsinns kann also nur ein anderer sein: der Leserschaft ein Kasperltheater vorzuspielen. Neben kleineren Aspekten scheint mir hier am wichtigsten, den generellen Erzählstrang vom islamistischen Terrorismus als organisierten weltweiten Aggressor festigen zu wollen; und die Verantwortung für einen militärischen Rückzug des Westens aus Afghanistan zumindest teilweise an Al-Qaida festzumachen.

Nun, liebe Journalistiker, dem mag vielleicht sogar so sein. Ihr beklagt euch aber greinend darüber, dass euch das doofe Internetz die Leser wegnimmt und überhaupt. Ich kann euch sagen, warum die euch wirklich weglaufen: die haben einfach kein Vertrauen mehr, dass ihr aufklärt, sachlich aufdeckt, neutral informiert. Die letzten Jahre haben die Massenmedien nicht unerheblich dazu beigetragen, diese Gesellschaft zu entsolidarisieren, finanziell auszuquetschen, in den Krieg zu führen, gegen Minderheiten zu hetzen und generell zu verblöden. Chapeau! Bevor ihr nicht auf den Boden der Sachlichkeit zurückkehrt, könnt ihr euch gerne den Finger in den Arsch stecken. Und euren Chefredakteur bei SpOn solltet ihr als geschäftsschädigend rauswerfen, wenn er euch angemessene Berichterstattung erschwert, denn dann wird auch euer Käsblättle niemand mehr abonnieren.

Im vorliegenden Artikel, nämlich zu 9/11, wären sicher ein paar andere Fragen angebracht gewesen. Nämlich in welcher Welt wir eigentlich leben, dass die Washingtoner Junta 3000 ihrer Bürger opfern und dem Rest eine Heidenangst einjagen kann, um ihre Agenda durchzudrücken — und keiner öffentlich daran interessiert ist, dies aufzuklären (nun gut, inzwischen gibt es genug Gruppen, aber die Mainstreammedien gehören nicht dazu). Denn dass dieses Konglomerat aus Wolfowitz, Brzezinski und Cheney die staatsterroristischen Finger mit im Spiel hatte, kann für jemanden, der sich auch nur ein bischen informiert, überhaupt nicht mehr bestritten werden. Und es ist schwer anzunehmen, dass Osama schon längst nicht mehr unter uns weilt, sei es wegen Nierenversagen oder durch einen Bombenangriff. Er kann es wohl also nicht sein, der hier ganze geopolitische Regionen in den Krieg stürzt… eher schon die US-Eliten.

9/11 und all die dadurch begründeten Kriege und Polizeistaatsmaßnahmen haben diese Welt zu einer Vorhölle gemacht, die man nur wieder verlassen kann, wenn man die Augen aufmacht, sich traut in den Abgrund zu blicken und einen anderen Weg als den jetzigen einschlägt. Und wenn Musharbash auf sowas keinen Bock hat, dann soll er bitte die Fresse halten, anstatt seine LeserInnen auch noch mit dreistem Theater und schlechter Dramaturgie zu desinformieren.

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Ein Gedanke zu “Medienecho

  1. anne schreibt:

    susanne hat den stinkefinger gezeigt bekommen und macht jetzt nichts anderes, als den stinkefinger mit spiegel zurückzuzeigen… so wird das nie was mit toleranz und akzeptanz und annäherung, sondern macht die kluft zwischen männern und frauen noch größer.
    wer im sumpf des feminismus watet, muss damit rechnen auch mal mit schlamm beworfen zu werden. nur sollte man sich dann nie auf das niveau des werfers herablassen.

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