Naher Osten

Al-Turkiya – Ankaras neuer Draht zur Arabischen Welt

China, Frankreich, Iran, Russland, UK und USA haben jeweils schon einen Fernsehrsender in der Region. Seit Sonntag folgt die Türkei mit „Al-Turkiya“, (Arabisch für „Der Türkische (Channel)“ dem Trend, Nachrichtensender nach dem Vorbild des Marktführers Al-Jazeeras für die arabische Welt zu starten. Dieses Phänomen kommt nicht von ungefähr, gibt es doch knapp 300 Millionen potenzielle Zuschauer. Die mediale Erschließung dieses Potentials ist nun ganz im Zeichen einer Annäherung auf allen Gebieten seitens Ankaras an die arabische Welt zu sehen.

Der Start des Senders am Sonntag war im nationalen Interesse der Türkei. Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan selbst sprach während der Einweihungszeremonie für den neuen Sender von einem „historischen Tag für die türkisch-arabische Freundschaft.“ Von einer Kommunikationsverbindung zwischen den Herzen der arabischen und türkischen Welt und von einem Sender „der unsere Herzen vereint“ war sogar die Rede. Dies dürfte die arabische Welt schmeicheln, ist Erdogan dort doch sowieso schon seit seinem Protest 2009 gegen die israelische Bombardierung Gazas in Davos populär. Damals hieß es in der arabischen Welt, dass die eigenen Führer schwiegen, während Erdogan protestierte.

Verbesserte Beziehungen in die arabische Welt
Tatsächlich sind diese Aussagen für die Außenpolitik der Türkei mehr als nur ein schönes Wort zum Sonntag. Fast ein Jahrhundert blieb die Türkei gegenüber der arabischen Welt verschlossen. Die Araber hätte die Türken im Osmanischen Reich, während des ersten Weltkriegs, „verraten“ hört man noch heute einige türkische Nationalisten behaupten. Die Türkei sei von Feinden umgeben. Nach der Aufbesserung der Beziehungen zu Syrien, der Wiederbelebung einer Eisenbahnverbindung in den Irak in der Tradition der „Bagdadbahn“ und dem zumindestens verbalen Mitspielen im Nahostkonflikt, ist der Start von „Al-Turkiya“ nun aber ein weiteres von vielen symbolischen Schritten, die zeigen, dass Ankara seine Fühler wieder Richtung Osten streckt.

Diese Ausrichtung scheint Teil einer Gesamtstrategie der türkischen Außenpolitik zu sein, die strategisch günstige Lage des Landes in politisches und wirtschaftliches Kapital umzumünzen. Spätestens seit der Beitritt in die EU durch die Wahl von Sarkozy in Frankreich und Merkel in Deutschland in weite Ferne gerückt zu sein scheint, öffnet sich die Türkei zu den Machtzentren in seiner direkten Umgebung. Neben der Offensive in die arabische Welt sind die Beziehungen zur Regionalmacht Iran gut, das Verhältnis zu Russland, das jahrhundertelang durch gegenläufige Hegemonialbestrebungen und dem Beitritt der Türkei zu Nato geschwächt war, befindet sich wirtschaftlich und politisch im Aufschwung. Nicht zuletzt bei der Kooperation im Bereich Energiepolitik nutzt Ankara seine Lage als Transitland und kooperiert hier mit Russland.

Unter diesem Blickwinkel dürfte auch eine kleine Zuschauerzahl für „Al-Turkiya“ für die Interessen Ankaras keine Enttäuschung sein. Der TV-Sender mit Live Sendungen aus Kairo, Beirut und Damaskus ist allein durch seine Existenz schon ein PR-Produkt, das in der Arabischen Welt seine Wirkung haben wird. Zwar öffnet sich die Türkei politisch und wirtschaftlich und nun auch medial in alle Richtungen, nirgends wird das aber so positiv erlebt wie in den arabischen Ländern. Al-Turkiya wird damit ein weiterer Meilenstein in der Wandlung des Türkeibewusstseins der Arabischen Welt sein. Vom feindlichen gesinnten nördlichen Nachbarn, der nicht nur Nato-Mitglied sondern auch Verbündeter Israels ist und als Bittsteller bei der EU als nicht unabhängig empfunden wurde, entwickelt sich von Kairo über Beirut bis Bagdad ein Türkeibild von einem, in lange vergessener und nun wiedererwachter Freundschaft, selbstbewussten politisch aufstrebendem Akteur.

Co-published: politruc.com

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Gaza: Synonym für Ungerechtigkeit und Überlebenskunst

Seit der mörderischen dreiwöchigen Bombardierung des Gazastreifens durch die israelischen Streitkräfte sind nun bald 15 Monate vergangen. Die Bilder der überproportional hohen Opfer in der palästinensischen Zivilbevölkerung – über 900 der etwa 1400 Toten waren Zivilisten – sind bis heute unvergessen. Das Leiden der Menschen im Gaza hat jedoch beim Stop der Bombardements am 18. Januar kein Ende gefunden. Die komplette Blockade des kleinen Gebiets, die schon seit 2007 besteht und seitdem permanent verstärkt und brutalisiert wurde, ließ seit Kriegsende keine Verbesserung der Situation zu.

Im Gegenteil: Die humanitäre Lage im dichtbesiedelten Landstreifen wird immer bedrohlicher. Es fehlt an Baumaterial zur Wiederinstandsetzung der über 4000 zerstörten Wohnhäuser und von den über 50.000 am Ende des Kriegs obdachlos gewordenen Menschen haben viele immernoch kein festes Dach über dem Kopf. Aber an einem fehlt es besonders in den letzten Tagen: Elektrizität. Medhat Abbas, Generaldirektor des Gesundheitsministeriums im Gazastreifen berichtet gegenüber Press TV, dass die Krankenhäuser und Kliniken nun mit Strom aus Motoren betrieben werden müssen. Grund dafür ist, dass das einzige Kraftwerk des Gazastreifens aufgrund von Engpässen durch die israelische Blockade seit dem 9. April heruntergefahren wurde.

22.000 Liter Diesel am Tag werden nun benötigt, um den Betrieb der medizinischen Einrichtungen zu garantieren. Das bedeute Todesgefahr für Frühgeburten, für von Instrumenten abhängigen Patienten und für Menschen auf der Intensivstation. Israel hat laut Völkerrecht als Besatzungsmacht die Pflicht, die Versorgung der Bevölkerung zu garantieren (pdf). Zumindest der freie Erwerb von Treibstoff auf dem Weltmarkt sollte erlaubt sein. Stattdessen werden immer wieder die Tunnel im Süden am Grenzort Rafah, welche mittlerweile die Lebensadern des kompletten Küstenstreifen darstellen, durch Bombardements zerstört. Selbst Hilfboote von westlichen NGOs, beladen mit den nötigsten Gütern, wurden von der israelischen Marine geentert und nicht nach Gaza durchgelassen.

Die in der arabischen Welt mit Fassungslosigkeit aufgenommene Kooperation des Diktators von Ägypten trägt den Rest dazu bei. Mit einer jüngst begonnenen Initiative in Form einer tiefen Trennwand steuert das Land am Nil seinen Teil zur humanitären Katastrophe bei. Flutungen der Tunnel und die Einspeisung von Gas soll bereits Todesopfer in den „unterirdischen Supermärkten“ gefordert haben. Dennoch besteht Grund zur Hoffnung. Gerade weil immer wieder Berichte kommen, die Lage sei kurz vor dem Zusammenbrechen und die Menschen im Gazastreifen sich immer wieder kreativ und auch mutig bei der unterirdischen Überwindung der Blockade bewiesen haben, bleibt die Hoffnung, dass die Krankenhäuser und die ganze Bevölkerung auch diesen Engpass zu meistern wissen.

Noch ein Kommentar:

Mit Kopfschütteln und Erstaunen liest man derweil in der bürgerlichen deutschen Presse immer wieder, wie versucht wird, die Haltung von rund 1,5 Millionen Menschen in einem Freiluftgefängnis zu rechtfertigen: Die Menschen im Gazastreifen hätten bei ihren Wahlen mit der Hamas einfach die falsche Entscheidung getroffen, eine Öffnung der Grenzen würde nur für Waffennachschub sorgen und gegen die „ständigen Raketen“ auf Israel müsse man etwas tun. Für letzteres Argument zählen dann auch keine Statistiken, die das genaue Gegenteil beweisen. Und dass man mit der Behauptung, irgendwer hat falsch gewählt, seine eigenen demokratischen Prinzipien, die man angeblich den Rest der Welt bringen möchte, kurzerhand über Bord wirft, tritt ebenso in den Hintergrund. Wie man die Sache auch dreht, wenn man neutral und den Tatsachen entsprechend berichten möchte, kommt man an Gaza nicht vorbei, ohne Israels unmenschliches, mörderisches Verhalten in dieser Blockade und in den Bombardierungen, die Anfang 2009 ihren Höhepunkt fanden, zu verurteilen.

Co-Published: politruc.com

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Im Libanon soll wieder geschossen werden

Der erste Schuss fiel am 13. April 1975, als ein Phalangistisches Kommando im Beiruter Vorort Ain El Rummaneh bei einem Angriff auf einen palästinensischen Bus mehrere Duzend Menschen ermordeten. Das war der Anfang vom gut 15 Jahre dauernden Libanesischem Bürgerkrieg. Es klingt wie ein verspäteter Aprilscherz, dass jetzt, wo sich das Datum zum 35. Mal jährt, wieder geschossen werden soll. Das Kommando kommt diesmal sozusagen aus der Nationalen Auswahl und tritt auf dem Rasen an.

Mitglieder des Parlaments und der Regierung wollen nämlich zum Jahrestag des Ausbruchs des Bürgerkriegs auf dem Fußballplatz gegeneinander antreten. Unzwar nicht etwa in einer Aufstellung „12. März“ gegen „14. März„-Block. Unter dem Motto „Wir sind alle eine Mannschaft“ treten zwei Teams gegeneinander an, die jeweils mit Spielern aus verschiedenen Fraktionen, Regionen und Konfessionen des Zedernstaats besetzt sind. Zwei Halbzeiten à 15 Minuten lang soll eine Auswahl der politischen Elite in weißen und roten Trikots ihr fußballerisches Können beweisen. Sport und Jugendminister Ali Abdullah verriet dem Daily Star, dass die Botschaft sei, dass „trotz aller politischen Differenzen Sport für alle da ist und auch alle vereint.“

Nicht ganz Richtig ist die Aussage, dass Sport für alle da sei, vor dem Hintergrund, dass das Spiel nicht öffentlich ausgetragen wird. Aus Furcht vor Ausschreitungen bleibt das Match im größten Stadion des Landes „in Übereinstimmung mit aktuellen Regelungen des Libanesischen Fußballverbandes“, eine Veranstaltung nur unter Politikern. Dafür sind neben dem Präsidenten Michel Suleiman, Premier Saad Harriri und Parlamentspräsident Nabih Berri auch Präsidenten von verschiedenen Sportverbänden, Botschafter und ehemalige politische Verantwortliche mit von der Partie.

„Sport lehrt dem Sieger anmutig zu bleiben und dem Verlierer mit seiner Niederlage zu leben“, so der Sportminister. Tatsächlich war es etwa solch ein Verhalten, das Libanon im letzten Jahr aus einer erneuten Krise gerettet hat. Die Opposition, die die Wahl verloren hatte blieb forderte trotz massenhafter Indizien für Wahlfälschung keine Neuauflage, nichteinmal eine Untersuchung. Die damalige Regierungsfraktion unter Führung Harriris zeigte dafür, wenn auch mit monatelanger Verzögerung, Besonnenheit und ging auf eine Regierung der nationalen Einheit mit der Opposition ein.

Kenner des Libanons sind aufgrund der Erfahrung mit der Geschichte des vielseitigen Landes gewöhnlich skeptisch bei positiven Nachrichten von der Levante. Viel zu oft war die Ruhe im Land eine Trügerische, die Allianzen, die für richtigen Frieden sorgen sollen eher Übergangslösungen. Dem gewöhnlichen Libanesen auf der Straße wird angeblich sogar langweilig und er fragt nach „Action“, wenn es länger keinen Krieg, gewaltsame Ausschreitung oder doch zumindest eine Massendemonstration gegeben hat. An diesem grundsätzlichen Pessimismuss im Hinblick auf die Versöhnung wird natürlich auch ein Fußballspiel so schnell nichts ändern. Jedoch haben die letzten Monaten in Beirut und im Rest des Landes Annäherungen in den politischen Blöcken gebracht, die noch vor zwei Jahren nicht vorstellbar waren. Deshalb sei heute Politruc die Prognose erlaubt (auch wenn schon falsche Vorhersagen hier gemacht wurden) in diesem Match ins einen weiteren Startschuss für einen zu mindest im Inneren befriedeten Libanon zu sehen.

co-published: politruc.com

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Wenn die Antisemitismuskeule versagt

Zum ersten mal habe ich über sie während des letzten Kriegs gegen den Gazastreifen berichtet. Zu hören ist seitdem in der bürgerlichen Presse noch immer nicht mehr als damals von ihnen. Doch sie sind da und wollen sich weder wegleugnen noch wegdiffamieren lassen

Antizionistische Juden werden von ihren Gegnern gerne als „Selbsthasser“ bezeichnet die Antisemiten als Kronzeugen gelten. Damit werden sie mit Nazis und Geschichtsrevisionisten in eine Ecke gestellt. Das Muster das sich dahinter verbirgt ist so ziemlich das gleiche wie bei der Diffamierung anderer Kritiker Israels: Es werden einfach alle über einen Kamm bzw. eine Antisemitismuskeule geschert. Dagegen haben antizionistische Juden, die aus vielen Bereichen des Judentums kommen, starke Argumente.

Es ist immer wieder ein eindrucksvoll, wenn orthodoxe Juden, wie die der Neturei Karta in traditionneler Tracht Seite an Seite mit Muslimen gegen Israelische Politik demonstrieren. Ihre Motivation dabei: Zionismus ist für sie geradezu die Antithese eines auf die Thora basierenden Judentums und eine Ideologie statt einer Religion, die aufgrund ihrer Trennung der Menschheit in verschiedene Rassen auch rassistischen Charakter hat. Wahre Vergfolger der jüdischen Religion sollten nach ihrer Ansicht erst einen Staat mitbegründen und Beiwohnen, den der erwartete Messias aufbaut.

Aber auch nichtreligiöse Bekanntheiten mit jüdischen Familienhintergrund bekennen ihre Gegnerschaft zu Israel in seiner aktuellen Form. Einer der bekanntesten Vertreter dürfte Norman Finkelstein, Sohn polnischer Juden und Holocaustüberlebender, sein. Bekannt wurde Finkelstein mit seinem Buch „Die Holocaust-Industrie„, in dem er eine moralische und finanzielle Ausbeutung jüdischen Leidens anprangert. Anders als die Neturei Karta ist Finkelsteins Kritik am Zionismus keine Religiöse sondern eine Moralische. Angeprangert werden die Vertreibung der Palästinenser bei der Staatsgründung und die aktuelle Apartheitspolitik der rechtsextremen israelischen Regierung.

In Deutschland ist Finkelstein in manch einem Milieu, von dem man es nicht erwartet hätte, seit neuestem eine Persona non Grata. Die eigentlich linke Rosa-Luxemburg-Stiftung sagte eine Diskussion wegen angeblich zu hoher politischer Brisanz ab. Offenbar hat es Druck von ungenannten Seiten gegeben. Die Vereinigung „Jüdischen Stimme für gerechten Frieden in Nahost“ sah dahinter die Machenschaften der „israelischen Lobby eines Schlag-zu-Nationalismus“ (pdf). Solidarisch mit dem US-amerikaner zeigten sich auch andere jüdische Gegner israelischer Politik aus Deutschland.

Aufgrund von Unterpräsenz in den Konzernmedien nicht sehr bekannt, aber dennoch sehr aktiv ist da Abraham Melzer zu nennen, Herausgeber der Zeitschrift „Der Semit„. Schwerpunkt der aktuellen Ausgabe der dem eigenen Selbstverständnis nach „Unabhängigen jüdischen Zeitschrift“ ist der Einfluss pro-israelischer Pressure Groups, wie sie schon John Mearsheimer und Stephen Walt in ihrem Werk „The Israel Lobby and U.S. Forgein Policy“ behandelten. Ein der Neturei Karta nahestehnder deutscher Journalismus läßt sich auf „Der Israelit“ lesen. Gewidmet ist die Seite dem „ersten jüdischen Mordopfer zionistischen Terrors“ Jaacov Jisroel DeHaan, der 1924 von Haganah-Terroristen erschossen wurde. In einem zum jüdischen Pessach-Fest erschienenem Artikel werden andere einst antizionistische Strömungen des orthodoxen Judentum kritisiert, die schließlich im Zionismus aufgegangen sind.

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Die Welt befreien

Einen schönen Beitrag dazu, wie moderner Imperialismus funktioniert, habe ich in einem Post von M.Gor gelesen. Wenn man sich auf Tagesmeldungen beschränkt, die spätestens nach einer Woche wieder verblassen, bleibt nicht viel von den strukturellen und funktionellen Zusammenhängen im Kopf. Umso wichtiger ist, sich immer wieder zumindestens grob die Zusammenhänge klarzumachen und die Funktionsweisen der Geopolitik aufs einfachst mögliche herunterzubrechen.

Zu folgender Frage: „Meine Frage zu all diesem ist: wie kann man eigentlich so bescheuert sein?“

Wer ist da genau ist gemeint mit „wie kann man eigentlich so bescheuert sein“? Die Leute, die in den Konzernen, hohen politischen Posten oder sonstwo etwas Macht bedienen können oder doch  jeder einzelne, der das alles mit sich machen läßt oder zumindest mit ansieht?

„Da ist der deutsche Parlamentarier durchschnittlich genauso verblendet wie der deutsche RTL2-Zuschauer“

sagte M.Gor. Eben. Und nicht nur die. Jeder (!) sollte sich da angesprochen fühlen und sich fragen, wo ist mein Verhalten und mein Agieren bescheuert? Oder besser gesagt: Wo befinde ich mich noch in den Fesseln vom „Imperialismus“ (Ich benutze den Begriff zwar manchmal selbst, aber der klingt irgendwie etwas durchgekaut), wo bin ich nicht frei?

Niemand von uns kann die ganze Welt befreien. Aber jeder einzelne von uns kann einen kleinen, aber nicht unwesentlichen, Teil der Welt befreien und dieser Teil ist jeder selbst! Wer zumindest einigermaßen versucht z.B. Produkte von Konzernen nichtmehr zu kaufen, von denen bekannt ist, dass die großen Dreck am stecken haben hat sich in der Hinsicht schon vom Imperialismus befreit. Jeder, der anfängt alternative Nachrichtenquellen zu lesen und auf keine Terror-, Schweinegrippe- oder Klimahysterie der Hofpresse von Bild bis Zeit mehr reinfällt, hat sich von imperialistischer Meinungsmache auch hierzulande befreit. Jeder mit „modernen“ Fressgewohnheiten, der aufhört sich wie verrückt aus möglichst viel Fleisch und möglichst viel Fetthaltigem und Fertiggerichten zu ernähren und stattdessen auf eine ausgewogene Ernährung umsteigt (in der Fleisch nicht fehlen muss!), hat sich von den Fesseln einer Fressakkumulation befreit die ebenso einer gier-kapitalistischen Logik unterliegt.

Wir können nich über ein System meckern und jammern, wenn wir selber in einem der Millionen von Rädern laufen, die das System am laufen halten. Wie brauchen ja garkeine „sozialistische Revolution“, wie es z.T. die 68er forderten, weil das Grundgesetz und auch die Verfassungen der meisten anderen Staaten auch ohne Diktatur des Proletariats ganz gut ist/sind. Was notwendig ist, ist eine Revolution in jedem selbst. Man kann es nur wiederholen: Jeder muss sich selbst befreien bevor er die Welt befreien will.

Erst wer sich selbst, seinen Kopf von den falschen propagierten Denkmustern von Klassen- Konsum- und Feinddenken befreit hat, kann auch beginnen seine Umwelt aufzuklären und ihr zu helfen. Darum sollen oben genannte Beispiele nicht auf passives Handeln, also unterlassen von Dingen, beschränkt sein. Man kann natürlich auch aktiv werden. Hier und anderswo im Blog zu schreiben ist schon eine aktive Tat um Teile der Welt mit zu befreien. Immerhin bemüht jeder Blogger sich um Wahrheit und häufig wird versucht Ungerechtigkeiten angzupangern, das ist nicht zu unterschätzen. Immer wieder Dinge müssen Dinge ausgesprochen werden, die für jeden offensichtlich und selbstverständlich sein sollten, es aber nicht sind. Wichtig dabei ist, dass man sich nicht zermürben läßt. Ein Beispiel: Nicht jeder läßt sich überzeugen, das Gesöff Coca Cola nichtmehr zu kaufen. Dabei brauch man nur die Begriffe „Coca Cola“ und „Verbrechen“ ergooglen um zu wissen warum. (Beispiel: Wer Coke trinkt kann gleich Blut trinken).

Kannst du drauf verzichten?

Man wird viele treffen, denen es meilenweit am Allerwertesten vorbeigeht, wenn man ihm von den Machenschaften Coca Colas erzählt. Andererseits wird man viele überzeugen können.

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Noch ein kleiner Beitrag in eigener Sache. Das ist mein zweiter Post auf diesem Blog. Eingeladen dazu hatte mich Mr. Sami G-Punkt. Ich möchte hiermit mal ein Salut in die Runde werfen und hoffe auf schöne Rudel-Bloggerei mit euch!

Netten Gruß,

derChalo

Bild: http://commons.wikimedia.org

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Den pro-Westlern schwimmen im Libanon die Felle davon

Um es salopp auszudrücken, häufig reicht in Ländern der dritten Welt schon ein einziges Argument aus, um als Politiker oder Fraktion die Popularität und Unterstützung der Bevölkerung zu gewinnen: Man muss sich glaubhaft gegen westlichen Imperialismus profilieren. Interessantestes Beispiel für den Verlust westlichen Einflusses ist aktuell Libanon mit der immer weiter schrumpfenden pro-westlichen Allianz „14. März“

Obwohl diese Allianz bei den libanesischen Parlamentswahlen im Juni letzten Jahres weniger Stimmen als die Opposition gewann, hatte sie diese aufgrund unproportionaler Gewichtung der Wahlkreise gewonnen. Bemerkenswerterweise ging es für sie danach nur noch bergab. Mehr als vier Jahre erbitterter Machtkampf zwischen der Opposition um Hisbollah, Amal, derm Christenführer Michel Aoun und mehreren Sozialistischen Parteien auf der einen Seite und den 14.März-Kraften um Harriri, Djumblat, den Phalangisten und der Lebanese Force auf der Anderen gingen dem voraus. Der Drusenführer im multikoinfessionellen Zedernstaat Walid Djumblat, zeitweise auch als „Wetterfahne der libanesischen Politik“ bezeichnet, war der erste der offiziel seinen Austritt aus dem Bündnis erklärte.

Klang es im September letzten Jahres noch wie eine Ausrede, so scheint Djumblats damalige Begründung zum Verlassen des Bündnisses klar und einleuchtend, auch für das darauf folgende Brökeln der ganzen Allianz: Seine Mitgliedschaft im 14.März-Block geschah aus Gründen der Notwendigkeit und müsse nun enden. Dazu ist zu sagen, dass das Bündnis im Frühjahr nach dem tödlichen Anschlag auf den ehemaligen libanesischen Ministerpräsidenten Rafik Harriri als anti-syrischer Block gebildet worden war und lange als pro-westlich bezeichnet wurde. Durch Massendemonstrationen gelang es dem Bündnis in der sogenannten Zedernrevolution der Anwesenheit syrischer Truppen in Libanon nach 29 Jahren ein Ende zu setzten. Die Notwendigkeit von der Djumblat sprach war dementsprechend schlicht und einfach die Feindschaft gegen den östlichen Nachbar Syrien.

In den letzten Monaten und vor allem am letzten Wochenende zeigte sich wieder in aller Deutlichkeit, dass Allianzen, die sich gegen etwas formieren häufig von kurzer Dauer sind. Die Drehscheibe des Bündnisses, Ministerpräsident Saad Hariri, Sohn des ermodeten Ministerpräsidenten Rafik, besuchte nämlich Damaskus im Dezember letzten Jahres und will es angeblich schon wieder tun. Vor zwei Jahren, als die Reihen des 14.März-Bündnisses noch fest geschlossen in Syrien den Mörder seines Vaters sahen, war dies noch eine Unmöglichkeit. Auch Djumblat hat am vergangenen Wochenende seine halbe Drehung vom Bündnis zu einer Kompletten gemacht. In einem Interview mit dem größten Fernsehsender der arabischen Welt entschuldigte er sich öffentlich für seine eklatanten und undiplomatischen Ausschweifungen Richtung Damaskus in der Vergangenheit.

Was nun von 14.März übrig geblieben ist zeigte sich am Sonntag beim Jubiläum zum fünfjährigen Bestehen der Allianz. Djumblat fehlt, weil bereits offiziell ausgetreten, Amin Gemayel, Chef der Phalangisten und ebenfalls ein Urgestein des Bündnisses blieb wegen „Bedenken“ fern. Doch am schlimmsten traf das Fernbleiben Hariris die Feierlichkeit. Extra für ihn wurde die Pressekonferenz auf den Morgen geschoben, damit er noch vor seinen Abflug zu seinem Besuch nach Deutschland Zeit finde, auch teilzunehmen. Doch er kam nicht. Al-Manar, ein der mit dem 14.März-Bündnis rivalisierenden Hisbollah nahe stehendem Sender, schrieb schadenfroh mit Bezug auf die Zedernrevolution: „Der Geburtstag […] war gezeichnet durch die Abwesenheit der Zedern von der Revolution.“

Kommentar:
Eine politische Strömung, Allianz, ein Block oder auch was auch immer wird nie dauerhaft Bestand haben können, wenn es kein Ziel gibt FÜR das man kämpft und sich einsetzt, sondern nur etwas WOGEGEN man ist. So ist es auch mit dem 14-März-Bündnis im Libanon geschehen. Lange galten sie, vor allem hierzulande als pro-westlich. Es war wahrscheinlich ein schönes Gefühl für die Journalisten von Bild, Welt, Zeit und Co. mal von wirklich unabhängigen Freunden des westlichen Imperialismus in der arabischen Welt berichten zu können (im Gegensatz zu den ganzen von westlichen Geldern, Waffen und Truppen abhängigen lupenreinen Diktaturen wie Jordanien, Saudi Arabien oder Ägypten). Aber es war wohl zu schön um wahr zu sein. Tatsächlich war das einzig wirksame Integrationsmittel des 14.März-Blocks seine Gegnerschaft zu Damaskus. Wirkliche Ziele vor Augen halten da länger. Walid Djumblat wird seine politischen Wurzeln – zwar ist seine Partei faktisch eine Drusenpartei, war sie jedoch mal sozialistisch- nicht vergessen haben. Auch Hariri wird in Erinnerung haben, dass sein Vater ein Befürworter eines von Syrien UND dem Westen unabhängiges Libanons gewesen ist.

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