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Wulff and beyond

Zur ganzen Affäre um unseren Bundespräsidenten Wulff gibt es einige Aspekte, die bisher in den Hintergrund getreten sind… und auf die ich hier hinweisen möchte.

Ich wage zu behaupten, wir haben es bei der ganzen Geschichte mit einem klassischen Fall der Kampagne zu tun. Indizien: erstens, die zeitliche Distanz. Das Material, welches gegen Wulff (und seine Frau) eingesetzt wird, hat schon ein paar Jährchen auf dem Buckel; es handelt sich nicht um plötzlich und überraschend ausgegrabene Dokumente. Wulffs Verfehlungen in Niedersachsen waren also schon länger bekannt. Zweitens, die Unverhältnismäßigkeit. Ohne die unsauberen Verstrickungen Wulffs entschuldigen zu wollen, andere CDU-Granden haben deutlich mehr Dreck am Stecken. Sei es der Bimbeskanzler Kohl, welcher gemäß der Omertà sein „Ehrenwort“ gegeben hat, niemals bei den Behörden zu singen, sei es das Finanzgenie Schäuble, dem eben so 100,000 DM aus der Schreibtischschublade verschwinden, sei es Roland Koch, der schon mal Finanzbeamte, die seinen schwarzen Kassen auf der Spur sind, per psychologischem Gutachten als paranoid einstufen lässt, sei es das Merkel mit immernoch geschlossener Stasi-Akte…

Das Interessante an der Kampagne liegt also mindestens genauso in der Metakommunikation: Wer hat wann wo und warum entschieden, das vorliegende Material gegen Wulff einzusetzen? Was soll damit der Öffentlichkeit, und was soll Wulff selbst vermittelt werden? Ich würde mir wünschen, diese Fragen in der Berichterstattung zu sehen.

Um nicht missverstanden zu werden: den Einblick, den diese ganze Affäre in die Verstrickung von (Partei-)Politik, Wirtschaft und ehrenwerter Gesellschaft bietet, sollte man nicht unterschätzen. Wie Wulff sich verhalten hat, ist seines Amtes unwürdig. Nur glaube ich eben nicht, dass Wulff hier ein „bedauerlicher Einzelfall“ ist, oder als besonders skrupellos aus dem Rahmen fällt. Das Schulterzucken als Reaktion aus politischen Kreisen lässt erahnen, wie normal solche Mauscheleien tatsächlich sind. Wie alltäglich es sein dürfte, dass Politfiguren gezielt erpressbar sind. Und wie alltäglich sich Politiker in journalistische Veröffentlichungspraxis einmischen dürften. Wobei ich hier nicht die BILD als Journalismus bezeichnen wollte, tut mir leid.

Zum Schluss steht eigentlich noch die Frage, was machen wir mit dem Grüßaugustposten im Schloss Bellevue? In der bestehenden Form wird das Amt jedenfalls fürs Machtspiel in und zwischen politischen Parteien missbraucht. Insofern könnten wir uns den Pomp und das Geld natürlich sparen. Oder wir sagen, in dem Sinne, dass der Präsident alle Deutschen repräsentiert, soll er eben gerade nicht einer Partei entstammen; am besten überhaupt kein Berufspolitiker sein. Wir gäben dem Amt seine Bedeutung zurück; und einer möglichst integren Persönlichkeit die Gelegenheit offen und ohne Furcht vor Repressalien für das Volk zu sprechen. Dazu freilich müsste der Präsident auch direkt vom Volk gewählt werden können…

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Süßer die Sektkorken nie knallen…

„Todesscheitel von Eschborn“, „Brutalstmöglicher Aufklärer“, „Rechtspopulist“, „Hessen-Hitler“, „Dicklippe“, „Kotz-Koch“. Viele Namen wurden ihm schon von Freunden und Bewunderern gegeben… liebe Kinder haben 1000 Namen, besagt ein frei erfundenes Sprichwort.

Politik sei nicht sein ganzes Leben: das ist die Quintessenz der Motive, die er persönlich für seinen Rückzug aus der Politik angegeben hat — glaubwürdig wie eh und je für einen politischen Ziehsohn Kohls, einen, der mit 14 der Jungen Union beitrat, einen der jüngsten Ministerpräsidenten, den wir in Deutschland je hatten, ein Mitglied des sog. „Andenpaktes“, welches viel Zeit und Arbeit investiert hat, um aus losen Fäden Seilschaften und schließlich Netzwerke der Macht zu knüpfen. Persönlich möchte ich also gern wissen, warum Roland Koch seine politische Karriere beendet… und das, wobei er gewohnt glaubwürdig noch vor zwei Wochen signalisiert hat, dass „niemand die Absicht hat, eine Mauer zu errichten“, bzw. „zurückzutreten“ und nun er (und Merkel) es jetzt doch angeblich schon seit einem Jahr wussten.

Spekulationen kann man viele betreiben… Ein neuer Coup von Mutti aus Berlin, um einen ihrer Gegner loszuwerden (vgl. Merz, Oettinger)? Hat Waffenlobbyist Karlheinz Schreiber vielleicht ausgesagt? Ist irgendwo ein finanziell lukrativer Posten aufgetaucht (vgl. Gazprom-Gerd), gern auch mit Schweigegeldzuschlag? Stellt sich Roland Koch eine Einflussnahme auf die Politik abseits prominenter Ämter, nur auf dem Wege über seine vielen Lakaien, opportuner vor? Oder sind es, und das meine ich nun nicht sarkastisch, private Gründe?

Zweierlei Dinge sind jedenfalls nicht passiert: Koch ist über keine seiner Affären (z.B. die „jüdischen Vermächtnisse“ samt aller nachfolgenden Schwindeleien und Vertuschungsversuche, Abservieren des ZDF-Chefredakteurs Brender), nicht über seine schwarz-braunen Flirts und auch nicht über die vielen (glücklicherweise meist gescheiterten) undemokratischen Attacken auf den Rechtsstaat (präventive Überwachung von Handys, Kopftuchverbot, systematische DNA-Analysen von Kindesbeinen an, …) gestolpert. Zweitens konnte niemand dem „bad cop“ der Bundespolitik in Debatten jemals Paroli bieten: weder haben seine oft reaktionären Äußerungen den medialen Verriß erfahren, den sie verdient hätten, noch konnte irgendeine andere Partei in Hessen politisches Kapital daraus schlagen und in Wählerstimmen umsetzen.

Für mich bleibt deshalb Kochs Rückzug ein Rätsel da er einerseits ein erwiesener Machtmensch ist, und man andererseits aus einer offensichtlichen Gewinnsträhne nur dann aussteigt, wenn anderswo mehr zu holen wäre, sprich: der Rückzug keiner ist. Trotzdem ist das Abdanken des hessischen Landesfürsten, der diesen Titel in bester absolutistischer Tradition auch verdient hat, ein Glücksfall. Dass ich das angesichts der obigen Ausführungen sage, wird wohl niemanden überrascht haben. Auch die FR-Leser in der Umfrage zum Koch-Artikel sehen das erfreulicherweise so.

Während die Medien sich schon vollkommen sinnlos mit Volker Bouffier als möglichem Nachfolger abkaspern, hoffe ich doch sehr, dass sie stattdessen ein wenig mehr an der Person Koch dranbleiben und die Vorgeschichte dieses Rücktritts publik machen werden.

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.de – Land der Nebelsätze

Helmut Kohl – der Mann der Gegensätze“ titelt Corinna Emundts auf tagesschau.de und versucht sich damit an einem Euphemismus (sicher eines der Top-Worte hier im Blog). Wer im Handeln Helmut Kohls Gegensätze erkennt, wird auch in Graf Zahl ein fröhlich schimmerndes Kaleidoskop bunt-verschiedener Persönlichkeiten erblicken. Mit „XXX der Gegensätze“ zu titeln, ist dabei selbst schon ein Schritt in die journalistische Jauchegrube.  Googlet man nach „Land der Gegensätze“ wird man wohl kaum ein Land finden, dass nicht unter den Google-Hits auftaucht – doch zurück zum Inhalt des Tagesschau Artikels.

Wörtlich heißt es dort über Helmut Kohl:

„Als Politiker fällt er durch seine Widersprüchlichkeit auf. Als einer, bei dem Erfolgshöhen und -Falltiefen ganz nah beieinander liegen. „Er ist der einzige Deutsche seiner Generation, der Weltgeschichte geschrieben hat“, schrieb Heribert Prantl in der „Süddeutschen Zeitung“ über ihn.“

Wer so die Süddeutsche zitiert will auch bei der Falschaussage mitmachen. Denn Weltgeschichte schrieb auch der ebenfalls 1930 geborene Bubi Scholz. Aus dem selben Jahrgang stammt auch Armin Mueller-Stahl, den ich, mich den selben rhetorischen Mitteln wie Prantel und Emundts bedienend, mit den Worten zitieren möchte:

Kunst muss gutmachen, was Politiker versauen“.

Denn es ist eben nicht Kohl, dem die Gegensätze innewohnen, sondern der Staatsapparat, dem er lange Jahre vorsaß. Wenn Helmut Kohl keine Lust hat andere und sich selbst zu beschuldigen und einer Straftat überführt zu werden, so ist das zunächst keine Überraschung. Verurteilungen und Strafen will man entgehen, sonst wären die Strafen keine Strafen. Der Witz der ganzen CDU-Spendenaffäre war, dass Helmut Kohl nicht in Beugehaft genommen wurde, um die Namen der Spender preis zu geben.

Der „Gegensatz“, den Emundts in der Persönlichkeit Kohls erkannt haben will, liegt im schizophrenen System, dass im Grundgesetz Art 3, Abs 1, behauptet „Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.“ – zugleich aber manche Menschen, wie den „Vater der Einheit“ (Bild), dann doch nicht als „gleich“ erachtet, sondern als etwas ganz besonderes. Bleibt zu fragen, wie die „Gegensätze“ in Corinna Emundts Gedankenwelt zustande kommen. Sie schreibt:

„Widersprüchlichkeit zieht sich wie ein roter Faden durch Kohls Biografie. Er hatte häufig ein Gespür für interessante Köpfe, scharte sie um sich und holte sie in Ämter. (…) Das System Kohl duldete keinen Widerspruch.“

Nun, scheinbar hat sich hier jemand gedacht, das Wort Journalist kommt von der „List“ eines „Journals“, eine unreflektierte Privatmeinung wie eine erwiesene Tatsache erscheinen zu lassen.

Gewollte Fehlinformation und sinnfreies Gebrabbel kann man im Sinne des Diskordianismus durchaus für gut befinden. Allerdings hat es den Preis, dass Corinna Emundts Artikel auf tagesschau.de auf die Ebene von Playboy Leserbriefen und 70er Jahre Literatur des anarchistischen Science-Fiction gestellt werden müssten, oder noch darunter. Nun denn, dies ist ein kleiner Preis und ich denke wir sollten ihn bezahlen.

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Wenn die Antisemitismuskeule versagt

Zum ersten mal habe ich über sie während des letzten Kriegs gegen den Gazastreifen berichtet. Zu hören ist seitdem in der bürgerlichen Presse noch immer nicht mehr als damals von ihnen. Doch sie sind da und wollen sich weder wegleugnen noch wegdiffamieren lassen

Antizionistische Juden werden von ihren Gegnern gerne als „Selbsthasser“ bezeichnet die Antisemiten als Kronzeugen gelten. Damit werden sie mit Nazis und Geschichtsrevisionisten in eine Ecke gestellt. Das Muster das sich dahinter verbirgt ist so ziemlich das gleiche wie bei der Diffamierung anderer Kritiker Israels: Es werden einfach alle über einen Kamm bzw. eine Antisemitismuskeule geschert. Dagegen haben antizionistische Juden, die aus vielen Bereichen des Judentums kommen, starke Argumente.

Es ist immer wieder ein eindrucksvoll, wenn orthodoxe Juden, wie die der Neturei Karta in traditionneler Tracht Seite an Seite mit Muslimen gegen Israelische Politik demonstrieren. Ihre Motivation dabei: Zionismus ist für sie geradezu die Antithese eines auf die Thora basierenden Judentums und eine Ideologie statt einer Religion, die aufgrund ihrer Trennung der Menschheit in verschiedene Rassen auch rassistischen Charakter hat. Wahre Vergfolger der jüdischen Religion sollten nach ihrer Ansicht erst einen Staat mitbegründen und Beiwohnen, den der erwartete Messias aufbaut.

Aber auch nichtreligiöse Bekanntheiten mit jüdischen Familienhintergrund bekennen ihre Gegnerschaft zu Israel in seiner aktuellen Form. Einer der bekanntesten Vertreter dürfte Norman Finkelstein, Sohn polnischer Juden und Holocaustüberlebender, sein. Bekannt wurde Finkelstein mit seinem Buch „Die Holocaust-Industrie„, in dem er eine moralische und finanzielle Ausbeutung jüdischen Leidens anprangert. Anders als die Neturei Karta ist Finkelsteins Kritik am Zionismus keine Religiöse sondern eine Moralische. Angeprangert werden die Vertreibung der Palästinenser bei der Staatsgründung und die aktuelle Apartheitspolitik der rechtsextremen israelischen Regierung.

In Deutschland ist Finkelstein in manch einem Milieu, von dem man es nicht erwartet hätte, seit neuestem eine Persona non Grata. Die eigentlich linke Rosa-Luxemburg-Stiftung sagte eine Diskussion wegen angeblich zu hoher politischer Brisanz ab. Offenbar hat es Druck von ungenannten Seiten gegeben. Die Vereinigung „Jüdischen Stimme für gerechten Frieden in Nahost“ sah dahinter die Machenschaften der „israelischen Lobby eines Schlag-zu-Nationalismus“ (pdf). Solidarisch mit dem US-amerikaner zeigten sich auch andere jüdische Gegner israelischer Politik aus Deutschland.

Aufgrund von Unterpräsenz in den Konzernmedien nicht sehr bekannt, aber dennoch sehr aktiv ist da Abraham Melzer zu nennen, Herausgeber der Zeitschrift „Der Semit„. Schwerpunkt der aktuellen Ausgabe der dem eigenen Selbstverständnis nach „Unabhängigen jüdischen Zeitschrift“ ist der Einfluss pro-israelischer Pressure Groups, wie sie schon John Mearsheimer und Stephen Walt in ihrem Werk „The Israel Lobby and U.S. Forgein Policy“ behandelten. Ein der Neturei Karta nahestehnder deutscher Journalismus läßt sich auf „Der Israelit“ lesen. Gewidmet ist die Seite dem „ersten jüdischen Mordopfer zionistischen Terrors“ Jaacov Jisroel DeHaan, der 1924 von Haganah-Terroristen erschossen wurde. In einem zum jüdischen Pessach-Fest erschienenem Artikel werden andere einst antizionistische Strömungen des orthodoxen Judentum kritisiert, die schließlich im Zionismus aufgegangen sind.

Co-published  on politruc.com

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Die Welt befreien

Einen schönen Beitrag dazu, wie moderner Imperialismus funktioniert, habe ich in einem Post von M.Gor gelesen. Wenn man sich auf Tagesmeldungen beschränkt, die spätestens nach einer Woche wieder verblassen, bleibt nicht viel von den strukturellen und funktionellen Zusammenhängen im Kopf. Umso wichtiger ist, sich immer wieder zumindestens grob die Zusammenhänge klarzumachen und die Funktionsweisen der Geopolitik aufs einfachst mögliche herunterzubrechen.

Zu folgender Frage: „Meine Frage zu all diesem ist: wie kann man eigentlich so bescheuert sein?“

Wer ist da genau ist gemeint mit „wie kann man eigentlich so bescheuert sein“? Die Leute, die in den Konzernen, hohen politischen Posten oder sonstwo etwas Macht bedienen können oder doch  jeder einzelne, der das alles mit sich machen läßt oder zumindest mit ansieht?

„Da ist der deutsche Parlamentarier durchschnittlich genauso verblendet wie der deutsche RTL2-Zuschauer“

sagte M.Gor. Eben. Und nicht nur die. Jeder (!) sollte sich da angesprochen fühlen und sich fragen, wo ist mein Verhalten und mein Agieren bescheuert? Oder besser gesagt: Wo befinde ich mich noch in den Fesseln vom „Imperialismus“ (Ich benutze den Begriff zwar manchmal selbst, aber der klingt irgendwie etwas durchgekaut), wo bin ich nicht frei?

Niemand von uns kann die ganze Welt befreien. Aber jeder einzelne von uns kann einen kleinen, aber nicht unwesentlichen, Teil der Welt befreien und dieser Teil ist jeder selbst! Wer zumindest einigermaßen versucht z.B. Produkte von Konzernen nichtmehr zu kaufen, von denen bekannt ist, dass die großen Dreck am stecken haben hat sich in der Hinsicht schon vom Imperialismus befreit. Jeder, der anfängt alternative Nachrichtenquellen zu lesen und auf keine Terror-, Schweinegrippe- oder Klimahysterie der Hofpresse von Bild bis Zeit mehr reinfällt, hat sich von imperialistischer Meinungsmache auch hierzulande befreit. Jeder mit „modernen“ Fressgewohnheiten, der aufhört sich wie verrückt aus möglichst viel Fleisch und möglichst viel Fetthaltigem und Fertiggerichten zu ernähren und stattdessen auf eine ausgewogene Ernährung umsteigt (in der Fleisch nicht fehlen muss!), hat sich von den Fesseln einer Fressakkumulation befreit die ebenso einer gier-kapitalistischen Logik unterliegt.

Wir können nich über ein System meckern und jammern, wenn wir selber in einem der Millionen von Rädern laufen, die das System am laufen halten. Wie brauchen ja garkeine „sozialistische Revolution“, wie es z.T. die 68er forderten, weil das Grundgesetz und auch die Verfassungen der meisten anderen Staaten auch ohne Diktatur des Proletariats ganz gut ist/sind. Was notwendig ist, ist eine Revolution in jedem selbst. Man kann es nur wiederholen: Jeder muss sich selbst befreien bevor er die Welt befreien will.

Erst wer sich selbst, seinen Kopf von den falschen propagierten Denkmustern von Klassen- Konsum- und Feinddenken befreit hat, kann auch beginnen seine Umwelt aufzuklären und ihr zu helfen. Darum sollen oben genannte Beispiele nicht auf passives Handeln, also unterlassen von Dingen, beschränkt sein. Man kann natürlich auch aktiv werden. Hier und anderswo im Blog zu schreiben ist schon eine aktive Tat um Teile der Welt mit zu befreien. Immerhin bemüht jeder Blogger sich um Wahrheit und häufig wird versucht Ungerechtigkeiten angzupangern, das ist nicht zu unterschätzen. Immer wieder Dinge müssen Dinge ausgesprochen werden, die für jeden offensichtlich und selbstverständlich sein sollten, es aber nicht sind. Wichtig dabei ist, dass man sich nicht zermürben läßt. Ein Beispiel: Nicht jeder läßt sich überzeugen, das Gesöff Coca Cola nichtmehr zu kaufen. Dabei brauch man nur die Begriffe „Coca Cola“ und „Verbrechen“ ergooglen um zu wissen warum. (Beispiel: Wer Coke trinkt kann gleich Blut trinken).

Kannst du drauf verzichten?

Man wird viele treffen, denen es meilenweit am Allerwertesten vorbeigeht, wenn man ihm von den Machenschaften Coca Colas erzählt. Andererseits wird man viele überzeugen können.

—-

Noch ein kleiner Beitrag in eigener Sache. Das ist mein zweiter Post auf diesem Blog. Eingeladen dazu hatte mich Mr. Sami G-Punkt. Ich möchte hiermit mal ein Salut in die Runde werfen und hoffe auf schöne Rudel-Bloggerei mit euch!

Netten Gruß,

derChalo

Bild: http://commons.wikimedia.org

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Den pro-Westlern schwimmen im Libanon die Felle davon

Um es salopp auszudrücken, häufig reicht in Ländern der dritten Welt schon ein einziges Argument aus, um als Politiker oder Fraktion die Popularität und Unterstützung der Bevölkerung zu gewinnen: Man muss sich glaubhaft gegen westlichen Imperialismus profilieren. Interessantestes Beispiel für den Verlust westlichen Einflusses ist aktuell Libanon mit der immer weiter schrumpfenden pro-westlichen Allianz „14. März“

Obwohl diese Allianz bei den libanesischen Parlamentswahlen im Juni letzten Jahres weniger Stimmen als die Opposition gewann, hatte sie diese aufgrund unproportionaler Gewichtung der Wahlkreise gewonnen. Bemerkenswerterweise ging es für sie danach nur noch bergab. Mehr als vier Jahre erbitterter Machtkampf zwischen der Opposition um Hisbollah, Amal, derm Christenführer Michel Aoun und mehreren Sozialistischen Parteien auf der einen Seite und den 14.März-Kraften um Harriri, Djumblat, den Phalangisten und der Lebanese Force auf der Anderen gingen dem voraus. Der Drusenführer im multikoinfessionellen Zedernstaat Walid Djumblat, zeitweise auch als „Wetterfahne der libanesischen Politik“ bezeichnet, war der erste der offiziel seinen Austritt aus dem Bündnis erklärte.

Klang es im September letzten Jahres noch wie eine Ausrede, so scheint Djumblats damalige Begründung zum Verlassen des Bündnisses klar und einleuchtend, auch für das darauf folgende Brökeln der ganzen Allianz: Seine Mitgliedschaft im 14.März-Block geschah aus Gründen der Notwendigkeit und müsse nun enden. Dazu ist zu sagen, dass das Bündnis im Frühjahr nach dem tödlichen Anschlag auf den ehemaligen libanesischen Ministerpräsidenten Rafik Harriri als anti-syrischer Block gebildet worden war und lange als pro-westlich bezeichnet wurde. Durch Massendemonstrationen gelang es dem Bündnis in der sogenannten Zedernrevolution der Anwesenheit syrischer Truppen in Libanon nach 29 Jahren ein Ende zu setzten. Die Notwendigkeit von der Djumblat sprach war dementsprechend schlicht und einfach die Feindschaft gegen den östlichen Nachbar Syrien.

In den letzten Monaten und vor allem am letzten Wochenende zeigte sich wieder in aller Deutlichkeit, dass Allianzen, die sich gegen etwas formieren häufig von kurzer Dauer sind. Die Drehscheibe des Bündnisses, Ministerpräsident Saad Hariri, Sohn des ermodeten Ministerpräsidenten Rafik, besuchte nämlich Damaskus im Dezember letzten Jahres und will es angeblich schon wieder tun. Vor zwei Jahren, als die Reihen des 14.März-Bündnisses noch fest geschlossen in Syrien den Mörder seines Vaters sahen, war dies noch eine Unmöglichkeit. Auch Djumblat hat am vergangenen Wochenende seine halbe Drehung vom Bündnis zu einer Kompletten gemacht. In einem Interview mit dem größten Fernsehsender der arabischen Welt entschuldigte er sich öffentlich für seine eklatanten und undiplomatischen Ausschweifungen Richtung Damaskus in der Vergangenheit.

Was nun von 14.März übrig geblieben ist zeigte sich am Sonntag beim Jubiläum zum fünfjährigen Bestehen der Allianz. Djumblat fehlt, weil bereits offiziell ausgetreten, Amin Gemayel, Chef der Phalangisten und ebenfalls ein Urgestein des Bündnisses blieb wegen „Bedenken“ fern. Doch am schlimmsten traf das Fernbleiben Hariris die Feierlichkeit. Extra für ihn wurde die Pressekonferenz auf den Morgen geschoben, damit er noch vor seinen Abflug zu seinem Besuch nach Deutschland Zeit finde, auch teilzunehmen. Doch er kam nicht. Al-Manar, ein der mit dem 14.März-Bündnis rivalisierenden Hisbollah nahe stehendem Sender, schrieb schadenfroh mit Bezug auf die Zedernrevolution: „Der Geburtstag […] war gezeichnet durch die Abwesenheit der Zedern von der Revolution.“

Kommentar:
Eine politische Strömung, Allianz, ein Block oder auch was auch immer wird nie dauerhaft Bestand haben können, wenn es kein Ziel gibt FÜR das man kämpft und sich einsetzt, sondern nur etwas WOGEGEN man ist. So ist es auch mit dem 14-März-Bündnis im Libanon geschehen. Lange galten sie, vor allem hierzulande als pro-westlich. Es war wahrscheinlich ein schönes Gefühl für die Journalisten von Bild, Welt, Zeit und Co. mal von wirklich unabhängigen Freunden des westlichen Imperialismus in der arabischen Welt berichten zu können (im Gegensatz zu den ganzen von westlichen Geldern, Waffen und Truppen abhängigen lupenreinen Diktaturen wie Jordanien, Saudi Arabien oder Ägypten). Aber es war wohl zu schön um wahr zu sein. Tatsächlich war das einzig wirksame Integrationsmittel des 14.März-Blocks seine Gegnerschaft zu Damaskus. Wirkliche Ziele vor Augen halten da länger. Walid Djumblat wird seine politischen Wurzeln – zwar ist seine Partei faktisch eine Drusenpartei, war sie jedoch mal sozialistisch- nicht vergessen haben. Auch Hariri wird in Erinnerung haben, dass sein Vater ein Befürworter eines von Syrien UND dem Westen unabhängiges Libanons gewesen ist.

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