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Den pro-Westlern schwimmen im Libanon die Felle davon

Um es salopp auszudrücken, häufig reicht in Ländern der dritten Welt schon ein einziges Argument aus, um als Politiker oder Fraktion die Popularität und Unterstützung der Bevölkerung zu gewinnen: Man muss sich glaubhaft gegen westlichen Imperialismus profilieren. Interessantestes Beispiel für den Verlust westlichen Einflusses ist aktuell Libanon mit der immer weiter schrumpfenden pro-westlichen Allianz „14. März“

Obwohl diese Allianz bei den libanesischen Parlamentswahlen im Juni letzten Jahres weniger Stimmen als die Opposition gewann, hatte sie diese aufgrund unproportionaler Gewichtung der Wahlkreise gewonnen. Bemerkenswerterweise ging es für sie danach nur noch bergab. Mehr als vier Jahre erbitterter Machtkampf zwischen der Opposition um Hisbollah, Amal, derm Christenführer Michel Aoun und mehreren Sozialistischen Parteien auf der einen Seite und den 14.März-Kraften um Harriri, Djumblat, den Phalangisten und der Lebanese Force auf der Anderen gingen dem voraus. Der Drusenführer im multikoinfessionellen Zedernstaat Walid Djumblat, zeitweise auch als „Wetterfahne der libanesischen Politik“ bezeichnet, war der erste der offiziel seinen Austritt aus dem Bündnis erklärte.

Klang es im September letzten Jahres noch wie eine Ausrede, so scheint Djumblats damalige Begründung zum Verlassen des Bündnisses klar und einleuchtend, auch für das darauf folgende Brökeln der ganzen Allianz: Seine Mitgliedschaft im 14.März-Block geschah aus Gründen der Notwendigkeit und müsse nun enden. Dazu ist zu sagen, dass das Bündnis im Frühjahr nach dem tödlichen Anschlag auf den ehemaligen libanesischen Ministerpräsidenten Rafik Harriri als anti-syrischer Block gebildet worden war und lange als pro-westlich bezeichnet wurde. Durch Massendemonstrationen gelang es dem Bündnis in der sogenannten Zedernrevolution der Anwesenheit syrischer Truppen in Libanon nach 29 Jahren ein Ende zu setzten. Die Notwendigkeit von der Djumblat sprach war dementsprechend schlicht und einfach die Feindschaft gegen den östlichen Nachbar Syrien.

In den letzten Monaten und vor allem am letzten Wochenende zeigte sich wieder in aller Deutlichkeit, dass Allianzen, die sich gegen etwas formieren häufig von kurzer Dauer sind. Die Drehscheibe des Bündnisses, Ministerpräsident Saad Hariri, Sohn des ermodeten Ministerpräsidenten Rafik, besuchte nämlich Damaskus im Dezember letzten Jahres und will es angeblich schon wieder tun. Vor zwei Jahren, als die Reihen des 14.März-Bündnisses noch fest geschlossen in Syrien den Mörder seines Vaters sahen, war dies noch eine Unmöglichkeit. Auch Djumblat hat am vergangenen Wochenende seine halbe Drehung vom Bündnis zu einer Kompletten gemacht. In einem Interview mit dem größten Fernsehsender der arabischen Welt entschuldigte er sich öffentlich für seine eklatanten und undiplomatischen Ausschweifungen Richtung Damaskus in der Vergangenheit.

Was nun von 14.März übrig geblieben ist zeigte sich am Sonntag beim Jubiläum zum fünfjährigen Bestehen der Allianz. Djumblat fehlt, weil bereits offiziell ausgetreten, Amin Gemayel, Chef der Phalangisten und ebenfalls ein Urgestein des Bündnisses blieb wegen „Bedenken“ fern. Doch am schlimmsten traf das Fernbleiben Hariris die Feierlichkeit. Extra für ihn wurde die Pressekonferenz auf den Morgen geschoben, damit er noch vor seinen Abflug zu seinem Besuch nach Deutschland Zeit finde, auch teilzunehmen. Doch er kam nicht. Al-Manar, ein der mit dem 14.März-Bündnis rivalisierenden Hisbollah nahe stehendem Sender, schrieb schadenfroh mit Bezug auf die Zedernrevolution: „Der Geburtstag […] war gezeichnet durch die Abwesenheit der Zedern von der Revolution.“

Kommentar:
Eine politische Strömung, Allianz, ein Block oder auch was auch immer wird nie dauerhaft Bestand haben können, wenn es kein Ziel gibt FÜR das man kämpft und sich einsetzt, sondern nur etwas WOGEGEN man ist. So ist es auch mit dem 14-März-Bündnis im Libanon geschehen. Lange galten sie, vor allem hierzulande als pro-westlich. Es war wahrscheinlich ein schönes Gefühl für die Journalisten von Bild, Welt, Zeit und Co. mal von wirklich unabhängigen Freunden des westlichen Imperialismus in der arabischen Welt berichten zu können (im Gegensatz zu den ganzen von westlichen Geldern, Waffen und Truppen abhängigen lupenreinen Diktaturen wie Jordanien, Saudi Arabien oder Ägypten). Aber es war wohl zu schön um wahr zu sein. Tatsächlich war das einzig wirksame Integrationsmittel des 14.März-Blocks seine Gegnerschaft zu Damaskus. Wirkliche Ziele vor Augen halten da länger. Walid Djumblat wird seine politischen Wurzeln – zwar ist seine Partei faktisch eine Drusenpartei, war sie jedoch mal sozialistisch- nicht vergessen haben. Auch Hariri wird in Erinnerung haben, dass sein Vater ein Befürworter eines von Syrien UND dem Westen unabhängiges Libanons gewesen ist.

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