Naher Osten

Die arabische Welt

Gerade wurden wieder mal im Fernsehen Qualitätsunterschiede zwischen den Sendern deutlich. Auf RTL war von Aufständen in der islamischen Welt die Rede, während das ZDF korrekt über Aufstände in der arabischen Welt berichtet hat.

Liebe RTL-Redakteure, habt ihr euch mal angeschaut, welche Länder vorwiegend islamisch sind und welche nicht? Es leben beispielsweise mehr Moslems auf dem indischen Subkontinent als es arabische Moslems gibt. Also Moslem ist nicht gleich Araber und auch Araber ist nicht gleich Moslem. Gerade in Ägypten und in den Ländern des fruchtbaren Halbmondes leben einige arabische Christen.

Was lernt der Zuschauer daraus? RTL ist Fernsehen von Idioten für Idioten.

Abgesehen von der seltsamen Berichterstattung deutscher Medien über die Ereignisse in der arabischen Welt – die im übrigen auch sehr spät eingesetzt hat-, sind mögliche Implikationen der Veränderungen wichtig. Vielleicht wird es Veränderungen auf der Landkarte geben, so hat sich letztens der Sudan in Nord- und Südsudan geteilt. Es wäre denkbar, daß sich der arabische Norden mit Ägypten vereinen würde, schließlich gibt es da eine lange historische Bindung. Ebenfalls den Ägyptern kulturell ähnlich, sind die Libyer. Wenn es dort zum Umsturz kommen sollte, könnten die drei Länder Ägypten, Sudan und Libyen sich vereinen. Ob das wirklich geschieht und ob es sinnvoll ist, ist eine andere Frage. Eventuell könnten die Unterschiede aus der Zeit der Kolonialisierung – in Ägypten und Sudan waren die Engländer, in Libyen die Italiener – problematisch werden, wenn die Verwaltungsapparate zu unterschiedlich sind. Ein ähnliches Problem hatte Somalia, das auch aus einem britischen und italienischen Teil geschaffen wurde.

Was auch immer passiert, die nächste Zeit wird Veränderungen mit sich bringen.

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Naher Osten

Israelische Mythen – Teil 2: Das Kriegswunder

Wie kann ein so kleines Volk so viele Armeen auf einmal schlagen? Das ist ein Zeichen dafür, daß Gott mit ihnen ist.

So oder so ähnliche Aussagen hört man, wenn es um den Sechstagekrieg von 1967 geht. Anstatt unüberlegt von einem Wunder zu sprechen, sollte man sich die damalige Taktik der israelischen Armee anschauen. Israel hat den Angriff auf seine Nachbarn minutiös geplant und vorbereitet. So wurden die Flugzeuge der arabischen Staaten am Boden und Landebahnen auf den Luftwaffenstützpunkten zuerst zerstört, um die Lufthoheit zu erlangen. Es handelte sich um einen Angriffskrieg, der die Nachbarn überraschte. Man kann also von einem Blitzkrieg sprechen.

Blitzkriege scheinen tendenziell für die Zivilbevölkerung erstaunliche Ausgänge zu haben. So ist es auch nicht verwunderlich, daß viele Deutsche davon überzeugt waren, daß Hitler ihr Erlöser sei, da seine Blitzkriege in kürzester Zeit massive Landgewinne einbrachten (bis die deutsche Armee in Großbritannien nicht weiterkam und in Stalingrad eine vernichtende Niederlage einstecken mußte).

Ähnliches ist den Arabern übrigens im Jom-Kippur-Krieg von 1973 auch gelungen: Durch das Überraschungsmoment und vorher abgestimmtes Vorgehen konnten sie die israelischen Verteidigungslinien durchbrechen.

Der Abnutzungskrieg (1967-1970) zwischen Israel und Ägypten, der kein Blitzkrieg war, brachte hingegen für keine Seite nennenswerte Gewinne.

Es handelte sich also weniger um ein Eingreifen Gottes als um eine spezielle Art der Kriegsführung. Wer dennoch nicht einsichtig ist, muß tatsächlich Hitler für den Gröfaz halten.

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Naher Osten, Propaganda

Israelische Mythen – Teil 1: Demokratie

„Vee are zee only demokracy in ze middel east“ Random Israeli

Wirklich? Im Libanon wird gewählt, auch in der Türkei wird gewählt. Anscheinend wird sogar in Afghanistan und in dem Irak gewählt. Und auch im Iran wird gewählt; wir erinnern uns daran als die Zeitungen voll von der iranischen Wahl waren und weniger zögerlich mit der Kritik gegenüber den Machthabern umgegangen wurde als jetzt hinsichtlich Ägypten.

Nicht nur ist die oben genannte Aussage falsch, sie täuscht auch vor, daß Israel Interesse an einer Demokratisierung des nahen Ostens hätte, was es aber augenscheinlich nicht hat – siehe Link.

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Naher Osten

Zur Lage der (ägyptischen) Nation

Wenn man Nachrichten hört, dann kann man dieses leidige „XYZ kritisiert ABC scharf“ schon gar nicht mehr hören. Wenn man aber diese nichtssagende, da konsequenzlose Phrase in Zeiten des Wechsels aus den Mündern der Entscheidungsträgern erwartet, so sucht man sie vergebens. Wo ist die scharfe Kritik Obamas an Hosny Mubarak? Es ist mittlerweile ein Naturgesetz, daß Merkel ebenfalls treu das Vorgehen des senilen Despoten scharf kritisieren würde, wenn das Herrchen Barack vorausgeht.

Vermissen tut man auch die innere Einsicht in den deutschen Medien, daß „die da unten“ (anderes Wort für Muslime, hat noch mehr vom Untermenschen) doch Demokratie wollen – bloß, daß wir ihre Unterdrücker unterstützen. Auch eine Art historische Aufarbeitung fehlt, schließlich geht es hier um 30 Jahre Diktatur und seinen Schrecken – wie beispielsweise Androhung von Vergewaltigungen bei weiblichen Aktivisten – und daß man da nie Druck gemacht hat, aber bei einer nicht ganz reibungslosen Wahl im Iran gleich aufschreit. Man beachte da auch den Unterschied. Man hat den letzten 30 Jahren verschiedene iranische Staatsoberhäupter gesehen, aber Mubarak ist noch ein und derselbe. Sogar die Haarfarbe ist geblieben.

Statt sinnlosem Gelaber könnte die deutsche Regierung die Ägypter unterstützen und zwar indem sie den Ägyptern einen Dial-up Zugang zum Internet verschafft, um die dortige Kommunikationssperre aufzuheben, so wie es ein französischer Telekommunikationsanbieter vormacht. Dies und mehr Druck (sowie amerikanische Black Ops) würden das Regime aushebeln, aber man kann darauf wetten, daß da nichts kommen wird.

Wer kann gegenüber China, dem Iran und Russland den Mangel an Menschenrechte kritisieren und dann kneifen, wenn man die Chance hat eine Diktatur zu stürzen? Es muß Schluß sein mit der Heuchlerei und dem Opportunismus. Bereits 1939 hat der damalige US-Präsident F. D. Roosevelt mit seinem Zitat „Somoza may be a son of a bitch, but he’s our son of a bitch“ leider eine Richtlinie der amerikanischen Außenpolitik vorgegeben, an der sich bis heute nichts geändert hat. Man unterstützt Despoten mit denen man Geschäfte machen kann. Daß das verwerflich ist, muß man nicht weiter erläutern.

Ach, und angesichts solcher Fehlschläge ist Merkel nur beim AC Mailand ein würdiger Vertreter Deutschlands.

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Naher Osten

Hunde können mehr als Menschen

Ging man früher davon aus, daß Hunde nur schwarz-weiß sehen können, so weiß man heute, daß sie (begrenzt) Farben wahrnehmen können. Damit scheinen sie ihren Besitzern überlegen zu sein, denn der Homo sapiens tendiert dazu Dinge nur schwarz-weiß zu sehen.

In den vergangenen Tagen wurde sowohl von dem Nachrichtendienst Associated Press, als auch von Al Jazeera berichtet wie Demonstranten in Kairo von Polizisten niedergeschlagen und verhaftet wurden. Die Tagesschau beispielsweise, als Sprachrohr des Berliner Regimes, hat nichts darüber berichtet. Eine Google-News-Suche ergibt, daß nur die Stuttgarter Zeitung und Zeit Online im deutschen Sprachraum darüber berichtet haben.

Das geringe Interesse ist seltsam, schließlich werden in den westlichen Medien doch gerne Bilder fanatischer Massen von Orientalen gezeigt. Vermutlich liegt der Grund der fehlenden Berichterstattung in dem Anlaß für die Demonstrationen. Es wurde nicht der Tod von Comiczeichnern (, die diffamierende Zeichnungen eines Religionsstifters angefertigt haben,) gefordert. Es wurde auch nicht gegen eine islamische Regierung demonstriert und so dem westlichen Zuschauer klar zu machen wie gut er es doch in seinem kapitalistischen Land hat. Noch wurden Israel- oder Amerikaflaggen verbrannt, was dem Feindbild des Orientalen entsprechen würde.

Stattdessen wurde gegen die ägyptische Folterpraxis und damit für mehr Menschenrechte demonstriert. Es muß schon sehr unangenehm sein kritisch über eine befreundete Diktatur zu berichten, die seit fast 30 Jahren den Notstand ausgerufen hat, um so seine Macht zu festigen. Ebenso schwer muß es sein die dortige Bevölkerung als zurecht aufgebracht zu zeigen, es bestünde nämlich noch die Gefahr, daß man sich mit den einfachen Menschen anderer Völker identifiziert. Das wäre ein Albtraum für jede imperialistische Regierung, wenn die eigene Bevölkerung Bedenken hinsichtlich des Umganges mit Völkern bekommt, die von strategischem oder wirtschaftlichem Interesse sind.

Anscheinend ist kein Interesse da, wenn Menschen im Namen eines Staates gefoltert werden. Das kennt man schon von den Amerikanern und bei vielen anderen Verbündeten wie Jordanien macht man besser beide Augen zu und lobt sie als vorbildliche Staaten.

Auch Meldungen aus dem Judenstaat, daß dunkelhäutige Juden dort öffentlich beschimpft werden, sucht man vergeblich im deutschen Sprachraum, schließlich könnte noch das Bild entstehen Juden seien ein gewöhnliches Volk – sofern sie denn ein Volk sind, man beachte die Arbeit von Shlomo Sand – , das, sowie andere Völker auch, verachtens- oder schon fast bemitleidenswerte Spinner unter sich hat.

Im kollektiven Bewußtsein des deutschen Volkes dürfte sich das Auslassen solcher Nachrichten getreu John Pilger auswirken: worüber nicht berichtet wird, das ist auch nicht passiert. Ein differenziertes Bild ist also nicht möglich. Wozu brauchen Menschen dann eigentlich HD-Fernsehen?

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