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.de – Land der Nebelsätze

Helmut Kohl – der Mann der Gegensätze“ titelt Corinna Emundts auf tagesschau.de und versucht sich damit an einem Euphemismus (sicher eines der Top-Worte hier im Blog). Wer im Handeln Helmut Kohls Gegensätze erkennt, wird auch in Graf Zahl ein fröhlich schimmerndes Kaleidoskop bunt-verschiedener Persönlichkeiten erblicken. Mit „XXX der Gegensätze“ zu titeln, ist dabei selbst schon ein Schritt in die journalistische Jauchegrube.  Googlet man nach „Land der Gegensätze“ wird man wohl kaum ein Land finden, dass nicht unter den Google-Hits auftaucht – doch zurück zum Inhalt des Tagesschau Artikels.

Wörtlich heißt es dort über Helmut Kohl:

„Als Politiker fällt er durch seine Widersprüchlichkeit auf. Als einer, bei dem Erfolgshöhen und -Falltiefen ganz nah beieinander liegen. „Er ist der einzige Deutsche seiner Generation, der Weltgeschichte geschrieben hat“, schrieb Heribert Prantl in der „Süddeutschen Zeitung“ über ihn.“

Wer so die Süddeutsche zitiert will auch bei der Falschaussage mitmachen. Denn Weltgeschichte schrieb auch der ebenfalls 1930 geborene Bubi Scholz. Aus dem selben Jahrgang stammt auch Armin Mueller-Stahl, den ich, mich den selben rhetorischen Mitteln wie Prantel und Emundts bedienend, mit den Worten zitieren möchte:

Kunst muss gutmachen, was Politiker versauen“.

Denn es ist eben nicht Kohl, dem die Gegensätze innewohnen, sondern der Staatsapparat, dem er lange Jahre vorsaß. Wenn Helmut Kohl keine Lust hat andere und sich selbst zu beschuldigen und einer Straftat überführt zu werden, so ist das zunächst keine Überraschung. Verurteilungen und Strafen will man entgehen, sonst wären die Strafen keine Strafen. Der Witz der ganzen CDU-Spendenaffäre war, dass Helmut Kohl nicht in Beugehaft genommen wurde, um die Namen der Spender preis zu geben.

Der „Gegensatz“, den Emundts in der Persönlichkeit Kohls erkannt haben will, liegt im schizophrenen System, dass im Grundgesetz Art 3, Abs 1, behauptet „Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.“ – zugleich aber manche Menschen, wie den „Vater der Einheit“ (Bild), dann doch nicht als „gleich“ erachtet, sondern als etwas ganz besonderes. Bleibt zu fragen, wie die „Gegensätze“ in Corinna Emundts Gedankenwelt zustande kommen. Sie schreibt:

„Widersprüchlichkeit zieht sich wie ein roter Faden durch Kohls Biografie. Er hatte häufig ein Gespür für interessante Köpfe, scharte sie um sich und holte sie in Ämter. (…) Das System Kohl duldete keinen Widerspruch.“

Nun, scheinbar hat sich hier jemand gedacht, das Wort Journalist kommt von der „List“ eines „Journals“, eine unreflektierte Privatmeinung wie eine erwiesene Tatsache erscheinen zu lassen.

Gewollte Fehlinformation und sinnfreies Gebrabbel kann man im Sinne des Diskordianismus durchaus für gut befinden. Allerdings hat es den Preis, dass Corinna Emundts Artikel auf tagesschau.de auf die Ebene von Playboy Leserbriefen und 70er Jahre Literatur des anarchistischen Science-Fiction gestellt werden müssten, oder noch darunter. Nun denn, dies ist ein kleiner Preis und ich denke wir sollten ihn bezahlen.

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Bananenrepublik, Sozialpolitik

10.000 Euro nebenbei verdienen!

Das erinnert an dubiose Anzeigen in der Zeitung, hat aber einen Wahrheitsgehalt.

Für einige Leute scheint das leichter zu sein als für den gewöhnlichen Bürger. Wie machen die das nur? Und: Kann ich das auch?

Gemeint sind unsere Bundestagsabgeordneten. Die Webseite nebeneinkuenfte-bundestag.de liefert dem Besucher interessante Zahlen über die Nebenverdienste der Politiker. Dabei gibt es zwischen den damals regierenden Volksparteien CDU und SPD kaum nennenswerte Unterschiede (12.715€ / 11.558€). Positive Ausnahme sind die Grünen mit einem durchschnittlichen Nebeneinkommen von 56 € (Anmerkung: Ich sage das objektiverweise als jemand der noch nie grün gewählt hat).

Sicherlich läßt sich streiten, ob Nebeneinkommen, die sich Politiker durch Anwaltstätigkeit verdienen genauso zu bemessen sind wie Einnahmen in Firmenvorständen. Sicherlich ist letzteres verwerflich, da ich nicht davon ausgehen würde, daß so ein Politiker neutral bei seinen Entscheidungen vorgeht. Dies wiederum läßt die Frage zu ob die Macht wirklich vom Volke kommt, wie es der Name DEMOkratie uns weismachen will, oder ob nicht der Begriff Econokratie, also daß die Macht von der Ökonomie, also der Wirtschaft kommt, eher paßt. Meiner subjektiven Einschätzung nach, scheint das Gros der Nebeneinkünfte vor allem aus der Wirtschaft zu kommen. Walter Riester als Topverdiener hat fast alle Versicherungen und Banken Deutschlands als Geldgeber. Econokratie ist übrigens meine Wortschöpfung, ein Wort für eine solche Staatsform scheint es nicht zu geben. In der Geschichte scheint eine Staatsform Ähnlichkeiten mit meiner Vorstellung zu haben: die Grundherrschaft.

Es stellt sich noch die Frage wie man nebenbei zu soviel Geld kommt. Wenn ich 10.000 Euro verdiene, arbeite ich entweder sehr hart für mein Geld oder ich bekomme eine Vergütung die gemessen an meiner Tätigkeit exorbitant hoch ist. Beide Möglichkeiten lassen unsere Politiker in einem sehr schlechten Licht erscheinen. Entweder arbeiten sie sehr hart für das Geld, was bedeutet, daß sie ihre Arbeitskraft nicht voll und ganz ihrem eigentlichen Job widmen, nämlich unsere Volksverteter zu sein – eigentlich ein Full-Time-Job will man meinen. Die andere Möglichkeit, daß sie übertrieben hohe Entgelte bekommen, erscheint zu Zeiten wo viele Menschen von wenig Geld leben müssen, gerade zu höhnisch.

Eine geeignete Lösung wie man eine bessere Regierung und weniger Arbeitslose bekommen würde, scheint sehr einfach zu sein: Verbietet Nebeneinkünfte für Politiker! Sie können von den Diäten und anderen Annehmlichkeiten wie Dienstwagen sehr gut leben. Außerdem verlieren sie ihre Bindung zur Wirtschaft und können so ihre Aufgabe als Volksvertreter objektiver wahrnehmen.
Wenn dies durchgesetzt werden würde, könnten dann Aufgaben wie z.B. die ordentlich entlohnte Mitgliedschaft in einem Kuratorium von einem Arbeitslosen übernommen werden. Dann hätte man einen Arbeitslosen weniger und die Kosten ihn zu unterstützen würden wegfallen. Man hätte Leute die sich nur auf ihren Job konzentrieren und ihn damit besser machen sollten. Und wir hätten eine gleichmäßigere Verteilung des Wohlstandes.

Wie klingt das, liebe Sozialdemokratische Partei Deutschlands?

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