Schmarotzertum, Wirtschaft

Im Netz der Spinne(r)

Geld regiert bekanntlich die Welt, wie auch Verbindungen der Wirtschaft mit der Politik zeigen. Aber wer regiert eigentlich das Geld?

Ich fand den Beitrag von „Erwin Pelzig“ zu dem Thema sehr hilfreich. Es wird illustriert wie elf Männer in den höchsten Chefetagen der deutschen Wirtschaft miteinander verbunden sind.

Die elf Männer sind:

  • Josef Ackermann: Deutsche Bank, Siemens, Bayer, Lufthansa
  • Michael Diekmann: Allianz, BASF, Siemens, Lufthansa
  • Clemens Börsig: Daimler, Lufthansa
  • Jürgen Strube: Allianz, Bertelsmann, BASF
  • Wulf Bernotat: E.ON, Allianz, Bertelsmann
  • Ulrich Hartmann: E.ON, Lufthansa
  • Henning Schulte-Noelle: Allianz, E.ON, Thyssen-Krupp
  • Werner Wenning: E.ON, Bayer, Deutsche Bank
  • Jürgen Weber: Lufthansa, Bayer, Allianz
  • Gerhard Cromme: Allianz, E.ON, Siemens, Thyssen-Krupp, Lufthansa
  • Jürgen Hambrecht: Lufthansa, Daimler, BASF

Korrekterweise haben Betrachter des Videos angemerkt, daß es etwas seltsam ist, wenn Menschen Jobs in drei Firmen haben, weil es zeitlich nicht machbar ist. Hier dürften ähnliche Überlegungen wie auch bezüglich Nebengehälter von Politikern gelten: Rein zeitlich können sie ihre Arbeit gar nicht gut machen und sind deswegen ihr Geld nicht wert, d.h. jemand anders -vielleicht jemand ohne Arbeit?- sollte ihre Arbeit übernehmen und sie ordentlich machen. Wahrscheinlich geht es bei den Engagements aber nicht um deutsche Tugenden wie ordentlicher Arbeit, sondern eben um ein Netz zu schaffen bei dem es Aussenstehende schwer haben sich einzumischen.

Mir ist bei der Präsentation Pelzigs aufgefallen, daß er die eine oder andere Verbindung nicht aufgezählt hat, was bei der Menge an Verbindungen verständlich ist. Außerdem mißfiel dem Nerd in mir, daß er das Netz als gerichteten Graphen gezeichnet hat. Aufgrund der beiden Mankos habe ich mich entschlossen, das Netz nachzuzeichnen. Einige Verstrickungen wie Ackermanns Tätigkeit in der Lufthansa sind wahrscheinlich nicht mehr aktuell, diese sind in gestrichelten Linien dargestellt. Hier offenbart sich noch ein anderes Problem: die Entwicklung solcher Netze über Zeiträume.

Zeigt Verbindungen der wichtigsten Männer in der Wirtschaft an

Die Verbindungen der elf Klone (Zur Vergrößerung auf die Grafik clicken)

Noch ein paar technische Randbemerkungen zur Erstellung der Grafik. Mehrfache Verbindungen zwischen zwei Männern, wie beispielsweise zwischen Gerhard Cromme und Henning Schulte-Noelle, sind beabsichtigt, damit der Betrachter weiß wie oft die Herren sich in Meetings über den Weg laufen. Besonders künstlerisch wertvoll ist die Grafik nicht, was daran liegt, daß ich sie automatisch mit Graphviz erstellt habe. Ich wollte die Grafik erst selber mit dem Tool yEd erstellen, was sich als zu mühsam erwies, um es per Hand zu zeichnen – bei 64 Verbindungen sollte das nachvollziehbar sein.

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.de – Land der Nebelsätze

Helmut Kohl – der Mann der Gegensätze“ titelt Corinna Emundts auf tagesschau.de und versucht sich damit an einem Euphemismus (sicher eines der Top-Worte hier im Blog). Wer im Handeln Helmut Kohls Gegensätze erkennt, wird auch in Graf Zahl ein fröhlich schimmerndes Kaleidoskop bunt-verschiedener Persönlichkeiten erblicken. Mit „XXX der Gegensätze“ zu titeln, ist dabei selbst schon ein Schritt in die journalistische Jauchegrube.  Googlet man nach „Land der Gegensätze“ wird man wohl kaum ein Land finden, dass nicht unter den Google-Hits auftaucht – doch zurück zum Inhalt des Tagesschau Artikels.

Wörtlich heißt es dort über Helmut Kohl:

„Als Politiker fällt er durch seine Widersprüchlichkeit auf. Als einer, bei dem Erfolgshöhen und -Falltiefen ganz nah beieinander liegen. „Er ist der einzige Deutsche seiner Generation, der Weltgeschichte geschrieben hat“, schrieb Heribert Prantl in der „Süddeutschen Zeitung“ über ihn.“

Wer so die Süddeutsche zitiert will auch bei der Falschaussage mitmachen. Denn Weltgeschichte schrieb auch der ebenfalls 1930 geborene Bubi Scholz. Aus dem selben Jahrgang stammt auch Armin Mueller-Stahl, den ich, mich den selben rhetorischen Mitteln wie Prantel und Emundts bedienend, mit den Worten zitieren möchte:

Kunst muss gutmachen, was Politiker versauen“.

Denn es ist eben nicht Kohl, dem die Gegensätze innewohnen, sondern der Staatsapparat, dem er lange Jahre vorsaß. Wenn Helmut Kohl keine Lust hat andere und sich selbst zu beschuldigen und einer Straftat überführt zu werden, so ist das zunächst keine Überraschung. Verurteilungen und Strafen will man entgehen, sonst wären die Strafen keine Strafen. Der Witz der ganzen CDU-Spendenaffäre war, dass Helmut Kohl nicht in Beugehaft genommen wurde, um die Namen der Spender preis zu geben.

Der „Gegensatz“, den Emundts in der Persönlichkeit Kohls erkannt haben will, liegt im schizophrenen System, dass im Grundgesetz Art 3, Abs 1, behauptet „Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.“ – zugleich aber manche Menschen, wie den „Vater der Einheit“ (Bild), dann doch nicht als „gleich“ erachtet, sondern als etwas ganz besonderes. Bleibt zu fragen, wie die „Gegensätze“ in Corinna Emundts Gedankenwelt zustande kommen. Sie schreibt:

„Widersprüchlichkeit zieht sich wie ein roter Faden durch Kohls Biografie. Er hatte häufig ein Gespür für interessante Köpfe, scharte sie um sich und holte sie in Ämter. (…) Das System Kohl duldete keinen Widerspruch.“

Nun, scheinbar hat sich hier jemand gedacht, das Wort Journalist kommt von der „List“ eines „Journals“, eine unreflektierte Privatmeinung wie eine erwiesene Tatsache erscheinen zu lassen.

Gewollte Fehlinformation und sinnfreies Gebrabbel kann man im Sinne des Diskordianismus durchaus für gut befinden. Allerdings hat es den Preis, dass Corinna Emundts Artikel auf tagesschau.de auf die Ebene von Playboy Leserbriefen und 70er Jahre Literatur des anarchistischen Science-Fiction gestellt werden müssten, oder noch darunter. Nun denn, dies ist ein kleiner Preis und ich denke wir sollten ihn bezahlen.

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Krieg ist Frieden

Was Großmutter auch schon nicht wusste…

gulli.com fasst eine an der Harvard University durchgeführte Untersuchung über Verschwörungstheorien zusammen. In wenigen Worten geht es darum, dass (potentiell gefährliche) Verschwörungstheorien, oder neutraler ausgredrückt: alternative Deutungen der Faktenlage, daher rühren, dass der Informationskanon auf dem sie basieren relativ begrenzt sei. Da man ja mittels sachlicher Argumentation nicht überzeugen könne, sei es legitim, diesen Informationskanon „kognitiv zu infiltrieren“. Agenten der Regierung könnten also online wie offline in diese sozialen Netzwerke eintreten und am „debunking“ der unerwünschten Interpretation arbeiten.

Abgesehen davon, dass ein solches Prozedere schon mindestens seit den 1950er Jahren im Zusammenhang mit der Operation Mockingbird belegbar ist, ist es nur stringent, dass sich die Methoden der Agitation und Propaganda dem Kommunikationsverhalten der jeweiligen Zeit anpasst. Gerade der Wikipedia-Artikel über Psychologische Kriegsführung der USA hält einige Details bereit, die wirklich zum Lachen wären, wenn sie nicht auf einer vollkommen irrationalen Ebene effektiv gewesen wären. So kreuzten bspw. als Sowjet-U-Boote verkleidete NATO-U-Boote der Amerikaner und Briten durch schwedische Gewässer. Das Resultat: das im Kalten Krieg neutrale Land Schweden kippte, angesichts der scheinbaren Bedrohung, in Richtung des NATO-Blocks.

Dies ist, wie viele andere Operationen, ein durchaus gelungenes Beispiel für eine Operation unter (wortwörtlich) falscher Flagge. Angesichts einer solchen Ungeheuerlichkeit, nämlich der Aufführung eines gigantischen Kasperletheaters zur Manipulation der Meinung eines ganzen Landes, fragt man sich schon, wer für den ganzen Kappes finanziell aufkommt (wir selbst), und wie hoch die Etats einzelner Einheiten für solche psychologischen Operationen (PsyOps) eigentlich sind. Die Frage, was das noch mit einem nachvollziehbaren Prozess demokratischer Meinungsbildung zu tun hat, stellt sich eigentlich schon nicht mehr: diese Programme laufen schon seit einem halben Jahrhundert, und dies sehr effektiv. Menschen tun sich aber mit dem Konsens, dass längst Praxis was eigentlich undenkbar ist, verständlicherweise schwer. Weil sich dann echte Abgründe auftun.

Interessant wird es also dann, wenn man rät, gegen alternative Interpretationen der Faktenlage operativ vorzugehen. Und dann noch so tut, als geschähe dies nicht schon längst. Und dabei generell diskutable Hypothesen sowie gegen sachliche Argumentation komplett immunisierte Verschwörungstheorien in einen Topf wirft.

„Dient eine Verschwörungstheorie einem offenkundig politischen Zweck und wird aus ihr ein Machtanspruch oder gar die Forderung nach gewaltsamem Handeln abgeleitet, dann liegt der Verdacht nahe, dass es sich um eine Verschwörungsideologie handelt.“
Einfach mal auf der Wikipedia googeln. Beschreibt sehr gut, dass man als reales Ereignis eine Operation unter falscher Flagge nutzen kann, um aggressiv oder militärisch gegen eine wie auch immer verschworene, reale oder imaginäre Gruppierung vorzugehen. Einfacher ausgedrückt hat das auch schon der durchgeknallte Gröfaz: „Die Auslösung des Konfliktes wird durch eine geeignete Propaganda erfolgen. Die Glaubwürdigkeit ist dabei gleichgültig, im Sieg liegt das Recht“ (22.8.1939). Der Trick funktioniert leider heute immernoch, die Inszenierung ist bloß teurer geworden.

Da PsyOps und Operation unter falscher Flagge Realität sind, braucht man unbedingt Menschen, die genau diesen Umstand bei ihren Interpretationen berücksichtigen, die kritisch, vielleicht hyperkritisch sind. Ob sie brauchbare Hypothesen oder Paranoia produzieren, sei zunächst noch dahingestellt. Das Fazit der Harvard-Studie zum Umgang mit ihnen erinnert allerdings fatal an eine Garfield-Weisheit: „Wenn du sie nicht überzeugen kannst, verwirr sie!“

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